von Nick Lüthi

Bern hofft auf einen Käufer oder zwei

Bis Ende Jahr will Tamedia neue Eigentümer für ihre Lokalradios und Regionalfernsehen finden. Morgen läuft die Eingabefrist für Kaufangebote ab. Im Zentrum des Interesses stehen Telezüri und Radio 24. Für die beiden Zürcher Sender gibt es zahlreiche Interessenten. Anders in Bern: Um Capital FM und Telebärn scheint sich niemand wirklich zu reissen. Weshalb das so ist.

Im Grossraum Bern gibt es Platz für eineinhalb Privatradios. So lautet ein seit Jahren immer wieder gehörtes Bonmot. In der Realität konkurrenzieren sich aber zwei Sender und buhlen um Werbegelder, die nur für den Betrieb von eineinhalb ausreichen. Entsprechend bewegt verläuft die Geschichte der beiden Privatradios und ihre Suche nach dem wirtschaftlichen Glück. Alle paar Jahre wechseln die Besitzer, werden Namen geändert und Konzepte angepasst; manchmal erfolgreich, meist aber fliesst nur alter Wein in neuen Schläuchen. Das war bei Energy Bern der Fall, das als Radio Förderband gestartet war, unter dem Namen BE1 den Durchbruch schaffte und zuletzt von Ringier nach Zürcher Vorbild auf gespielte Weltläufigkeit getrimmt wurde. Nicht anders erging es Capital FM. Die inzwischen langjährige Nummer zwei wurde als Radio Extra BE gegründet, hiess später Extra Bern, und wie man von gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen vernimmt, liebäugelt der Sender mit einem Namenswechsel auf Radio Bern, wobei diesem Vorhaben der Alternativsender RaBe (Radio Bern) im Weg stehen dürfte. Tamedia ist das einerlei. Die Besitzerin von Capital FM interessiert die Zukunft seines Berner Lokalradios vor allem unter einem Aspekt: verkaufen bis Ende Jahr. Ebenfalls neue Besitzer sucht Tamedia für Telebärn, das dem Zürcher Konzern bei der Übernahme von Espace Media zusammen mit Capital FM ins Portfolio gefallen war.

Nun hat Tamedia klare Prioritäten gesetzt: Abschied von Radio und Fernsehen, online ist Trumpf. 200 neue Stellen sollen in den nächsten zwei Jahren geschaffen werden. Im Netz brummt das Geschäft. Was man vom Privatfernsehen nicht eben behaupten kann. Von seiner Gründung 1995 bis 2008 stand Telebärn Jahr für Jahr mit mehr als einer Million Franken in den Miesen. Auf 18 Millionen belief sich das kumulierte Defizit, das von Espace Media getragen wurde. Offiziell wird die Ertragsschwäche der Berner Sender nicht als Grund für deren Verkauf genannt. Im Gegenteil: «Capital FM und TeleBärn sind attraktive Medien und haben sich wirtschaftlich im vergangenen Jahr positiv entwickelt», schreibt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage der MEDIENWOCHE. Das mag sogar stimmen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Tamedia mit Telezüri und Radio 24 zwei noch attraktivere Angebote auf dem Verkaufstisch präsentiert. Entsprechend gering ist denn auch – zumindest das öffentlich bekannte – Interesse an den Berner Sendern.

Von der unbekannten Investorengruppe um Christoph Blocher ist nur das Interesse an Telezüri überliefert. Andere wiederum würden quasi als Beigabe zu den begehrten Zürcher Sendern auch noch Capital FM und Telebärn nehmen. Aber nur Bern allein dann doch lieber nicht. Das sagt etwa Martin Wagner, der mit seiner Firma Escor und den Beziehungen ins Filmgeschäft schon früh sein Kaufinteresse angemeldet hatte. «Wirtschaftlich würde sich das nicht rechnen. Nur mit der Präsenz in drei Städten wäre unser Projekt nachhaltig finanzierbar», sagte Wagner im Gespräch mit der MEDIENWOCHE. Ringier teilt lediglich mit, man schaue sich derzeit «mehrere Sender ganz genau an». Wobei es sich dabei um Telezüri und 3+ handeln dürfte und weniger um Telebärn. Ein allfälliger Verkauf des Lokalfernsehens an Ringier hätte zudem zur Folge, dass Capital FM alleine dastehen würde, da Ringier in Bern mit Energy bereits ein Lokalradio betreibt. Doch auch für das Radio gibt es zumindest einen öffentlich bekannten Kaufanwärter. Christian Heeb, Privatradiopionier (Radio 24 und Basilisk) und heute Besitzer von Radio Basel, schreibt auf Anfrage der MEDIENWOCHE: «Klar habe ich Interesse am Kauf von Capital FM.» Die Fortsetzung der Mitteilung lässt allerdings an der Ernsthaftigkeit seiner Aussage zweifeln.

Und was finden die Betroffenen selbst? Telebärn-Programmleiter Patrick Teuscher zeigt sich zuversichtlich, dass sich ein neuer Besitzer finden lässt: «Ohne Tamedia heisst mit jemand anderem: Kein Problem.» Durchaus ein Problem stellt dagegen die räumliche Situation der beiden Sender dar. Vor zweieinhalb Jahren zogen Radio und Fernsehen ins neue Multimediahaus zur Berner Zeitung. Die Redaktionen sind durch einen vertikalen Durchbruch miteinander verbunden. Je nach Käufer könnte also die sonderbare Situation entstehen, dass ein Konkurrenzunternehmen von Tamedia, zum Beispiel Ringier, unter dem gleichen Dach geschäften würde. Im Nachhinein erweist es sich nun als Glücksfall, dass sich Zeitung und elektronischen Medien nicht so eng crossmedial verknüpft haben, wie man sich das ursprünglich vorstellte.

Vom worst case, also der Einstellung von Lokalradio und -fernsehen in der Bundesstadt, geht derzeit niemand aus. Eher wird Tamedia seine Preisvorstellungen nach unten korrigieren, als den Stecker zu ziehen und damit auch die Konzessionen für Telebärn und Capital FM ans Bakom zurückzugeben. Dann würde mit Bestimmtheit jemand auftauchen, der «sich dann gleich die Frequenz gratis krallt», wie sich ein Berner Radiospezialist ausdrückt.

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