von Ronnie Grob | Nick Lüthi

Der Journalist, das bekanntere Wesen

Immer mehr Journalistinnen und Journalisten nutzen den öffentlichen Kurznachrichtendienst Twitter. Damit schaffen sie Transparenz in eigener Sache. Denn nicht nur Berufliches, sondern auch Persönliches und Privates fliessen in die Kommunikation ein. Der Journalist, das vormals unbekannte Wesen, erhält eine Kontur und wird greifbar als Mensch mit einer Haltung. Wie unterschiedlich und breitgefächert Medienschaffende den neuen Kanal nutzen – sei es für den fachlichen Austausch, zur Selbstinszenierung oder als Plauderecke – zeigen unsere zehn Steckbriefe von Schweizer Journalistinnen und Journalisten auf Twitter.

@patsch (Patrik Tschudin, Redaktor DRS2)
Der Basler Wissenschaftsjournalist Patrik Tschudin ist ein bewährter Wert im Netz. Seit vielen Jahren regt er mit Fakten und Hintergrundwissen zu Diskussion an, sei es beim Basler Blog infamy oder in seinem eigenen Blog. Auf Twitter liefert Tschudin einen vielfältigen Mix aus persönlichen Informationen, Diskussionen, Retweets und Debattenbeiträgen. Das Konzept ist wohl, dass es kein Konzept gibt. (rg)

@patrik_mueller (Patrik Müller, Chefredaktor «Der Sonntag»)
Selten hat die Schweizer Twitterszene einen Printjournalisten gesehen, der neu auf Twitter ist und einfach gleich alles begreift und meistens richtig macht. @patrik_mueller ist mutig genug, sich beim laut denken zuhören zu lassen, er sendet Fotos aus dem Alltag, bringt Breaking News, wenn er welche hat und kommuniziert auch mal mit anderen. (rg)

@mbinswanger (Michèle Binswanger, Newsnetz/Mamablog)
Mit Twitter angefangen hat Michèle Binswanger im Januar 2010 am WEF in Davos. Sie liefert jeden Tag ein paar Tweets, liefert Links, diskutiert mit anderen. Inzwischen ist die vom “Schweizer Journalist” zur Journalistin des Jahres gekürte Mamabloggerin eine der wichtigen Adressen im doch noch kleinen Schweizer Twitter-Universum. (rg)

@adikaelin (Adi Kälin, Redaktor NZZ)
Bei NZZ-Lokalredaktor Adi Kälin finden sich Beobachtungen, eigene Fotos, Diskussionen mit anderen und ab und zu Links. Das ist selten aufregend, aber typisch schweizerisch solide und oft witzig. Kälin unterschreibt schon mal einen Unterschriftenbogen aus Mitleid oder bewertet Architektur. Ganz gern kommentiert er die Leistung von Sportreportern. (rg)

@thbenkoe (Thomas Benkö, Redaktor Blick am Abend)
Thomas Benkö ist einer der wenigen aus dem Ringier-Verlag, die twittern. Als einer der ersten Schweizer Journalisten mit einem Twitter-Konto verfügt er über viel Erfahrung. Seit 2009 hat er allerdings jegliche Glaubwürdigkeit eingebüsst. Ein per Tweet versprochenes Spagetti-Essen für alle seine Follower wurde nie eingelöst. Planungen, die von etwas gutem Willen zeugten, versandeten. Bis heute sprach Benkö keine konkrete Einladung aus, auch wenn sich seine Follower aktiv um die Zutaten bemühten. Sein Tweet von März 2009 lautete: «gebt mir bitte ein bisschen organisationszeit. mehr ende woche!» (rg)

@cbb11 (Christine Brand, Redaktorin NZZ am Sonntag)
Live aus Tschernobyl, live aus dem Gerichtssaal vom Kachelmann-Prozess: Bei Christine Brand sitzt man mitunter in der ersten Reihe. Die Journalistin und Krimiautorin nutzt Twitter fast ausschliesslich beruflich. Eine Vorliebe hat Brand für skurrile Polizeimeldungen. Persönlicher wird der Ton, wenn die Journalistin mit Redaktions- und anderen Berufskollegen plaudert. (nil)

@konradweber (Konrad Weber, Journalist 2.0)
Konrad Weber gibt als Berufsbezeichnung nicht ganz unbescheiden «Journalist 2.0» an. Das verpflichtet. Doch der junge Berner, der in Winterthur Journalismus studiert, kann das Versprechen einlösen. Unter @konradweber liefert er mehrmals täglich Hinweise auf Dokumente und Debatten über die Zukunft der Medien im Allgemein und des Journalismus im Speziellen. Daneben twittert er aus seinem Berufsalltag. Bis Ende Oktober absolviert er ein Praktikum bei der Bundeshausredaktion vom Schweizer Fernsehen. (nil)

@ein_journi (Philippe Kropf, Redaktor Inside-IT, freier Reporter)
«Nächste Tweets aus Kabul»: Noch warten wir auf die Kurzmitteilungen aus Afghanistan, aber das Interesse ist geweckt. Ein weiteres Mal machte sich Philippe Kropf auf ins kriegsversehrte Land am Hindukusch. Wenn er nicht als freier Reporter unterwegs ist, arbeitet der Zürcher Journalist als Redaktor von Inside-IT, ein unabhängiges Fachmedium für die Schweizer Informatikbranche. Auf Twitter bietet Kropf einen Einblick in den Redaktionsalltag: Pausendiskussionen («Kann ein Trolleybus an der Leitung rückwärts fahren?», Making-of seiner Texte, aber auch Persönlicheres, wie etwa Kommentare zur Farbe seiner Socken. (nil)

@fvongruenigen (Franziska von Grünigen, Radio DRS)
Die Radiofrau (Moderation «Focus», Redaktion «Nachtwach») twittert fleissig. Neben dem intensiv geführten Dialog mit ihren Followern, nutzt Franziska von Grünigen Twitter auch beruflich: Regelmässig bittet Sie das Publikum, ihr Fragen mitzuteilen für den Gesprächsgast im «Focus». Und schliesslich betreibt von Grünigen via Twitter noch Sprachhygiene in Form einer laufend aktualisierten Sammlung mit «das-dass»-Verwechslungen. Wer sich nur dafür interessiert, kann auch ihren Blog lesen. (nil)

@gerryreinhardt (Gerry Reinhardt, Radio Zürisee)
Wie am Mikrofon, so auch auf Twitter: Gerry Reinhardt, Moderator bei Radio Zürisee, redet von Berufes Wegen gern und viel. Und auch auf Twitter zeigt sich das stark ausgeprägte Mitteilungsbedürfnis. Reinhardts Twitterverhalten fällt in die Kategorie Anything-and-nothing: Sprüche, Nachrichten, Aphorismen, Servicemeldungen und immer wieder auch Persönliches. So tönt ein Radiomoderator auf Twitter. (nil)

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Leserbeiträge

Martin 20. August 2011, 08:36

Wie wäre es mit einer Twitter liste der Schweizer Journalisten. Die hier wären ein anfang ? Von einem Kenner der Szene erstellt ist sie sicher sehr nützlich

Antworten...

Nick Lüthi 22. August 2011, 06:06

Bevor wir diese zehn Twitter-Profile verfassten, wollten wir eigentlich eine unkommentierte Liste mit twitternden Journalistinnen und Journalisten veröffentlichen und haben auch fleissig Namen gesammelt. Aber es kamen und kommmen immer mehr dazu. Eine solche Liste ist im Moment ihrer Veröffentlichung bereits wieder veraltet. Einen Nutzen (ja, welchen Nutzen eigentlich?!) hätte aber nur eine aktuelle Liste. Was genau würde dir eine solche Liste denn bringen?

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