von Tobias Gillen

Anonyme und sichere Recherche in 10 Minuten – so geht’s!

Wer sensible Recherchen im Internet anstellt, muss damit rechnen, überwacht zu werden. Für Journalisten empfiehlt es sich daher, sich mit der Möglichkeit zum anonymen und sicheren Surfen zu beschäftigen. MEDIENWOCHE erklärt in einfachen Schritten das Tor-Netzwerk.

1 Jahr Snowden-Leaks
Am 9. Juni 2013 bekannte sich Edward Snowden verantwortlich für ein Leak, das die Öffentlichkeit über das Ausmass der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten informiert. MEDIENWOCHE beschäftigt sich ein Jahr später mit der Beziehung zwischen Journalisten und Whistleblowern.

Geheimdienste, terroristische Vereinigungen, Waffenexporte oder die Korruptionsvorwürfe gegen den hochrangigen Politiker – es gibt viele sensible Themen, deren Recherche man besser bis zur Veröffentlichung für sich behält. Da das in Zeiten von NSA, GCHQ und BND aber kaum noch problemlos möglich ist und auch die grossen Internet-Konzerne um Google, Apple und Facebook ein grosses Interesse an jeglichen Daten haben, muss ein anonymer Weg für diese Nachforschungen her. Eine Möglichkeit wurde im Zuge der Snowden-Enthüllungen immer wieder genannt: Tor.

Auch wenn Tor immer wieder mit dem Darknet, also den dunklen Stellen im Internet, in Verbindung gebracht wird: Es ist eine effektive und simpel einzurichtende Methode, sein Surfverhalten im Netz zu anonymisieren.

Um die Idee hinter dem Tor-Netzwerk zu verstehen, ein kleines Beispiel: Stelle ich eine Suchanfrage an Google, wird diese Anfrage an deren Server geschickt und von dort aus bekomme ich mein gewünschtes Ergebnis zurück. Es ist nun also ein leichtes Unterfangen, eine Verbindung zwischen mir und dem Suchbegriff herzustellen. Ähnlich verhält es sich mit jeglichen Websites, die ich im Internet ansteuere. An diesem Punkt hilft Tor.

Was ist Tor?

Tor ist die Abkürzung für «The Onion Routing» und erinnert damit schon im Namen an eine Zwiebel. Wie bei einer Zwiebel verschleiert Tor meine Suchanfrage nämlich in mehreren Schichten. Dafür stehen etwa 5000 Tor-Server weltweit zur Verfügung. Rufe ich nun Google auf, geht meine Anfrage über drei zufällig ausgewählte und verschlüsselte Server quer über den Globus bis zu Google. Dadurch kennt kein Server sowohl Start als auch Ziel meiner Anfrage – die Rückverfolgung wird dadurch ausgeschlossen (insofern ich nicht bei meiner Anfrage Hinweise auf meine Identität verrate, mich etwa bei Facebook einlogge).

Wie bekomme ich Tor?

Um mit Tor surfen zu können, muss man unter torproject.org den TorBrowser für das entsprechende Betriebssystem herunterladen. Anschliessend nur entpacken und installieren – schon sollte man das Icon für den TorBrowser auf dem Computer finden. Dieser ist eine Adaption von Firefox und funktioniert auch genau so, wie man es von bekannten Browsern kennt.

Worauf muss ich bei Tor achten?

Tor ist auch nur so sicher wie sein Benutzer. Wenn ich mich über Tor in mein Facebook-Profil einlogge oder Suchen anstelle, die Rückschlüsse auf mich oder meinen Aufenthaltsort zulassen, dann hilft auch das Verschlüsseln und Verschleiern des Weges nur noch wenig. Zudem muss ich auf einige andere Dinge verzichten, etwa Flash, Java und andere Plugins und Addons, die die Sicherheit gefährden könnten. Diese Dinge sind standardmässig deaktiviert – wer sie nutzen will, tut das auf eigene Verantwortung. Auch mein Surfverhalten sollte ich entsprechend anpassen und beispielsweise statt Google, das bekanntlich an den Daten seiner Nutzer sehr interessiert ist, anonyme Suchmaschinen wie DuckDuckGo nutzen – diese ist im TorBrowser bereits voreingestellt.

Wo ist der Haken?

Natürlich hat Tor, neben den fehlenden Dingen wie Flash oder Java, auch einen grossen Haken: Es ist enorm langsam. So braucht es gute 20 Sekunden, um spiegel.de aufzurufen, 18 Sekunden für tobiasgillen.de oder 10 Sekunden für youtube.com. Das liegt an der grossen Distanz, die der Datenverkehr zurücklegen muss. Er werde «innerhalb Tor durch verschiedene Länder, Meere und Kontinente geleitet», schreiben die Entwickler in den FAQ. Das ist er, der Preis für mehr Privatsphäre und Anonymität im Netz. Die einen wollen Geld, die anderen Daten – Tor braucht eben ein bisschen länger.

Gibt es Alternativen zu Tor?

Eine Alternative zu Tor ist VPN, was für «Virtual Private Network» steht. Bei VPN bekomme ich über einen Anbieter, etwa hide.me, einen Zugang zu einer verschlüsselten Leitung, die in diesem Fall Tunnel genannt wird, und einer IP von einem Server im nahegelegenen Ausland. Surfe ich nun über VPN, wird mein Datenverkehr über diesen verschlüsselten Tunnel mit dem Datenverkehr der anderen Nutzer über die eine IP geleitet. Dadurch, dass alles zusammen «in einer Suppe» herauskommt, sind Rückschlüsse auf meine Person nur noch schwer möglich. Der kleine Haken an VPN: Es kostet in der Regel Geld, meist zwischen 10 und 15 Euro pro Monat.

Fazit: Geeignet für spezifische Recherche

Wer möglichst viel vor neugierigen Blicken verstecken möchte, wird die Einschränkungen von Tor in Kauf nehmen müssen. Für die alltägliche Arbeit in der Redaktion dürfte diese Form der Anonymisierung aber wohl nicht brauchbar sein. Für sensible oder persönliche Recherchen, die man vorerst für sich behalten möchte, sollte der TorBrowser aber eine Alternative auf dem Rechner von Journalisten sein. Und wer dann in der Mittagspause doch mal eben ein bisschen FarmVille spielen möchte, der kann dafür gerne den normalen FireFox nehmen. Wer bereit ist, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen und dafür eine bessere Performance zu bekommen, dem sei ein Blick auf einen der zahlreichen VPN-Anbieter empfohlen. Zwar ist die Einrichtung ein bisschen aufwendiger als beim TorBrowser – dafür kann man VPN ohne grosse Einbussen in Sachen Geschwindigkeit durchgängig nutzen.

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Leserbeiträge

Jens Kubieziel 13. Juni 2014, 21:09

Eine weitere wichtige Alternative ist JondoNym. Es funktioniert ähnlich wie Tor und bietet ähnliche Sicherheit.

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