DOSSIER mit 41 Beiträgen

Automatisierung

MEDIEN

Die Lesetipps dieses Themenbereich werden kuratiert von Nick Lüthi. Haben Sie einen lesenswerten Beitrag entdeckt und möchten diesen hier empfehlen? Die Redaktion freut sich auf Ihren Linktipp: redaktion@medienwoche.ch

Journalistenfrage 2.0

Der französische Fussballverband wollte bei einer Medienkonferenz vor dem WM-Start mit Nationalmannschaftsstürmer Antoine Griezmann keine Fragen zulassen zu dessen Zukunft bei seinem Club Atletico Madrid; ein Thema, das vor allem spanische Journalisten interessiert. Um solche Fragen möglichst zu unterbinden, wurde die Konferenz auf Französisch abgehalten. Doch ein spanischer Reporter wusste sich zu helfen: Er griff zu seinem Smartphone, tippte die Frage in ein Übersetzungsprogramm, hielt das Mikrofon an die Sprachausgabe und eine synthetische Stimme trug das Anliegen auf Französisch vor. Beantwortet wurde die Frage allerdings nicht. Griezmann zeigte sich aber sichtlich amüsiert ob des cleveren Vorgehens des spanischen Journalisten.

Weitere Beiträge aus diesem Dossier

Übersetzungsautomaten statt Sprachbarrieren

Dank den Fortschritten künstlicher Intelligenz können Medienbeiträge ohne grossen Aufwand in andere Sprachen übersetzt werden. So wird der Medienmarkt auch auf der Ebene der Inhalte ein globaler. Die weitgehend automatisierten Prozesse erfordern eine eigene Übersetzungsethik. Das Mediengeschäft war schon immer ein globales und polyphones. BBC World News etwa strahlt Inhalte in über 40 Sprachen aus Weiterlesen …

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Er macht ein gutes Geschäft mit automatisch generierten Texten

«Warum muss eigentlich ein kollaboratives Online-Lexikon wie die Wikipedia von menschlichen AutorInnen verfasst werden?» Philip Parker hätte da eine Lösung: Die Einträge der Enzyklopädie könnten von Software automatisch und ganz ohne unmittelbares menschliches Zutun verfasst werden. Parker ist kein Fantast, sondern Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer. Mit seinem Verlag ICON Group International hat Parker bereits eine Million automatisch generierter Titel herausgegeben. Sachbücher wie «The 2016-2021 World Outlook for 3D Medical Imaging» richten sich an ein Nischenpublikum, das auch den stolzen Preis 995 US-Doller zu berappen bereit ist. «Algorithmen sind im Long Tail-Business bereits definitiv die besseren Autoren», zitiert Stefan Weber auf Telepolis den Unternehmer Parker.

Als Redaktion am Puls bleiben oder auch das Zuhören wird digital

Die Rheinische Post RP ist eine überregionale Tageszeitung mit 25 Lokalredaktionen. Diese bestehen oft aus nur wenigen Journalistinnen und Journalisten. Damit diese mitkriegen, was um sie herum läuft, hat die RP ein sogenanntes «Listening Center» geschaffen. Das ist eine Software, die rund 40 Millionen digitale Quellen aus dem Einzugsgebiet der Zeitung im Blick hat. Dieser Themenradar ersetzt zwar das persönliche Recherchegespräch nicht, hilft aber, die richtigen Leute zu finden oder die Redaktion auf Themen zu bringen, die sie sonst verpassen würde. Ein gutes Beispiel für den Nutzen des «Listening Centers»: Dank der digitalen Fühler erfuhr die RP von einer lokalen Spitzenpersonalie der AfD, über die die Partei selbst nicht informierte hätte, und konnte so zum Thema reherchieren.

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Soll man Maschinen zu Debatten zulassen?

Meinungsroboter galten nach dem Brexit und der US-Präsidentschaftswahl als verfemt. Doch es gibt Beispiele, wie Bots fair und transparent an Debatten mitwirken können. Von dem Twitter-Account «Abolish_ICE_Now» werden seit ein paar Wochen in schöner Regelmässigkeit Fotos und Informationen zu US-Flüchtlingszentren, sogenannten «detention centers», gepostet: Luftaufnahmen, Ortsangaben, Kapazitäten, Kosten für den Steuerzahler. Wie der Account bereits Weiterlesen …

Tadam! Weitere Hiobsbotschaft für die SDA

Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA kommt nicht zur Ruhe. Nach den Wirren im Frühjahr mit Entlassungen und Streik kommt die nächste Hiobsbotschaft von Hauptaktionärin Tamedia. Der Zürcher Verlag will für seine Zeitungen keine Sportmeldungen von der SDA mehr beziehen. Ein Testlauf in der Westschweiz habe ergeben, dass man die Sportberichterstattung auch ohne Agentur bewältigen könne. Von dem Entscheid betroffen sind bis zu 18 SDA-Journalistinnen und -Journalisten. Tamedia setzt anstelle der Agentur auf ein internes Tool namens Tadam, kurz für Tamedia Data Mining. Das kann zwar keine Meldungen schreiben, aber aktuelle Informationen und Sportresultate aus dem Netz zusammentragen.