von Nick Lüthi

The Good, The Bad & The Ugly LIX

Nau.ch, Streaming, SRF

The Good – Ein Deal für Qualität

Bettelt jemand bei uns per E-Mail um Berichterstattung, bedeutet das in der Regel: Papierkorb. Dieser Fall liegt etwas anders. Was das Nachrichtenportal «Nau.ch» am Mittwoch mitteilte und als «Good» der Woche vorschlug, passt durchaus in diese Rubrik (und wäre auch ohne Bettelei berichterstattungswürdig gewesen).

Mit der Beförderung der internen Ausbildungschefin erreicht die achtköpfige Redaktionsleitung von «Nau.ch» die Geschlechterparität. Ein Frauenanteil von mindestens 50 Prozent sei ihnen «wichtig, zeitgemäss und verbessert das Niveau der Diskussionen», wird Chefredaktor Micha Zbinden (Bild) zitiert. Weiter sitzt neu auch fix ein Personalvertreter im Gremium. Damit sei die Start-up-Phase abgeschlossen.

«Nau.ch» ist nun offiziell erwachsen. Ob sich das auch in der journalistischen Qualität niederschlägt, steht auf einem anderen Blatt. Anlass zur Hoffnung gibt ein Deal, auf den sich «Nau.ch» mit uns eingelassen hat: Weil wir «Nau.ch» für einmal als «Good» aufführen, will das Newsportal im Gegenzug keinen Anlass mehr bieten, dass wir es in der «Ugly»-Rubrik erwähnen müssen. «Wir geben uns die grösste Mühe, diese – obwohl sicherlich gut gelesene – Rubrik zu meiden», verspricht «Nau.ch».

The Bad – Dann waren es schon drei

Wie im Grossen, so im Kleinen: Als ob die Qual der Wahl zwischen Netflix, Amazon Prime und Disney+ nicht schon reichte, muss man sich nun auch für den Genuss von Schweizer Produktionen zwischen drei Streaming-Diensten entscheiden. Nach Play Suisse (SRG) und Blue Play (Swisscom) geht am kommenden Dienstag auch noch Oneplus (CH Media) an den Start. Konkurrenz belebt hier wohl weniger den Markt, als dass sie das potenzielle Publikum weiter verwirrt. Die drei Anbieter werben für das heimische Filmschaffen mit austauschbaren Slogans: «Top Auswahl an Schweizer Spielfilmen», «Hier finden Sie die besten Schweizer Filme, Serien und Dokumentarfilme», «Geniessen Sie eine grosse Auswahl bekannter Schweizer Filme».

Auf Streaming-Diensten hatte der Schweizer Film bisher einen schweren Stand: Das Angebot ist klein und die Nutzung gering, wie kürzlich veröffentlichte Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen. Schweizer Filme schaut das Schweizer Publikum lieber am Fernsehen oder im Kino. Dass sich dies nun ändert, weil die neuen Plattformen mehr oder gar ausschliesslich heimische Film- und TV-Produktionen zeigen, wäre ein etwas gewagter Schluss. Streaming reimt sich weiterhin auf Netflix und nicht auf Playsuisseblueplayoneplus.

The Ugly – Tiefrotes Warnsignal

Bis jetzt waren es meist einzelne Stimmen, die anonym aus dem Inneren des Unternehmens ihre Besorgnis äusserten über die Entwicklung von Schweizer Radio und Fernsehen. Jetzt bestätigen die Ergebnisse einer Personalbefragung in erschreckender Deutlichkeit diese Eindrücke. Symptomatisch dafür steht der Anteil jener Angestellten, die SRF im Bekanntenkreis als Arbeitgeber weiterempfehlen würden: das sind nur magere 29 Prozent. Mehr als ein Drittel würden sogar davon abraten, bei SRF zu arbeiten – kein Wunder, wenn weniger als die Hälfte (43 Prozent) mit ihrer Führungskraft zufrieden sind. Ein Blick auf die Ergebnisse der Personalbefragungen zwischen 2006 und 2015 lässt erahnen, dass dieser Wert damals fast doppelt so hoch gewesen sein muss. Ein genauer Vergleich mit den aktuellen Zahlen ist leider nicht möglich, weil SRF die Befragungsmethode geändert hat.

Wenig erbaulich sind auch die Werte rund um das Transformationsprojekt SRF 2024. Eine Mehrheit der Umfrageteilnehmenden äussert grosse Skepsis, ob mit dem eingeschlagenen Weg auch wirklich ein jüngeres Publikum erreicht werden kann. Noch skeptischer ist man gegenüber dem Versprechen der Führung, flachere Hierarchien einführen zu wollen. Beides sind zentrale Postulate von SRF 2024.

So deutlich die Ergebnisse der Umfrage daherkommen, so diffus erscheinen die von SRF nun angekündigten Reaktionen auf die offensichtlichen Missstände: Die Vorgesetzten sollen bessere Vorbilder sein, das Gemeinschaftsgefühl will man stärken und die Feedbackkultur verbessern. Als ob das reichen würde. Wer ein tiefrotes Warnsignal übersieht, rast ins Verderben.

Leserbeiträge

Maria Frey 13. November 2021, 21:26

Das mit Nau.ch ist doch ein schlechter Witz. Allein, was die Pandemie betrifft, liefert Nau.ch Tiefpunkt um Tiefpunkt. Was Telegram bei den Messenger-Dienst ist, ist Nau.ch bei den Medien, im Verbund mit Inside Paradeplatz, Zackbum, Ostschweiz, Nebelspalter und Weltwoche. Nau.ch gehört zu jenen Medien, die mit ihrer Berichterstattung in dieser Pandemie viel unnötiges Leid verursachen. Diversity ändert daran rein gar nichts.