AUF DEM RADAR

In der Bleistiftfabrik, Facebook in China, higgs ist da, die Erben Bannons

Der letzte Bleistift

Zu den Verlierern des Medienwandels und der Digitalisierung zählt auch der Bleistift. Das Magazin der New York Times widmet dem schwächelnden Schreibgerät eine Foto-Reportage aus einer der letzten Bleisiftfabriken der USA. Seit 1889 verarbeitet die General Pencil Company eine Reihe von Rohmaterialien wie Holz, Graphit, Farbe und Wachs zu jenem Universalwerkzeug, das sich sozusagen überall auf wiederfinden kann. Schritt für Schritt dokumentieren die farbstarken und kontrastreichen Bilder von Christopher Payne die Entstehung der Schreibgeräte.

Will Facebook in China Fuss fassen, ist zu viel Journalismus nur hinderlich

Der Medienmanager Wolfang Blau (Condé Nast) erklärt den Schritt von Facebook, Medieninhalte im Newsfeed zurückzustufen, unter anderem mit der erklärten Absicht Mark Zuckerbergs in China Fuss fassen zu wollen. Zu viel Journalismus sei für diesen Schritt nur hinderlich. Blau erinnert zudem daran, dass der Newsfeed ursprünglich gar nicht für die Verbreitung journalistischer Inhalte gedacht war, wie er bis heute im grossen Stil genutzt wird – nota bene lange Zeit von Facebook gefördert, weil kommerziell interessant. Trotz der angekündigten Massnahmen zum Nachteil der Medien, so Blau weiter, würden diese auch in Zukunft Facebook als einen von vielen Wegen zur Distribution der Inhalte nutzen.

Ein neues Wissenschaftsmagazin erklärt die Bilderflut

Im Schatten des lange erwarteten Starts des Online-Magazins «Republik», erblickte wenige Tage davor das Wissenschaftsmagazin higgs das Licht der Netzwelt. Dahinter steckt das Unternehmen Scitec-Media von Wissenschaftsjournalist Beat Glogger. Das Magazin will «Wissenschaft verständlich und attraktiv aufbereiten». Die ersten Artikel zeigen, dass dieser Anspruch gut eingelöst wird. So lesen wir zum Beispiel eine kurze und kurzweilige Geschichte der Bilderflut, die entlang aktueller Aussagen von Technikhistorikern und Gesellschaftwissenschaftlerinnen erzählt wird.

«Breitbart»: Wer beerbt Bannon?

Bislang galt die Gleichung: Bannon gleich Breitbart – und umgekehrt. Doch nun steht das rechtsextreme Nachrichtenportal ohne seine legendäre Leaderfigur da. Nach seinen abfälligen Aussagen über Präsident Trump im Enthüllungsbuch «Fire and Fury» wurde Steve Bannon von der Unternehmensleitung geschasst. Auch ohne Bannon, so rechnen Beobachter, wird sich Breitbart als Meinungsmacher im Trump-Umfeld halten. Doch genauso hoffen gegenwärtig Anbieter, die bisher im Schatten gestanden hatte, auf einen Durchbruch als rechte Leitmedien, die Breitbart beerben könnten. Mit Ben Shaprio findet sich zudem eine Figur, die mit Daily Wire ein Millionenpublikum erreicht und das Potenzial hätte, als legitimer Nachfolger von Andrew Breitbart aufzutreten und auch so Bannon zu verdrängen.

Das sind die Schweizer Online-Medien, ohne SRG kein Lauberhornrennen, Facebook verärgert Medien, der Tommy-Lawrence-Moment

Schweizer Online-Medien: bunte Vielfalt im Netz

Zwei Tage vor dem mit Spannung erwarteten Start des Online-Magazins «Republik» bietet die NZZ einen Überblick zu den bereits existierenden reinen Netz-Publikationen. Rund 70 davon finden sich in der Zusammenstellung von Boas Ruh, darunter so unterschiedliche Anbieter wie die Kolosse Swisscom mit Bluewin oder die SRG mit Swissinfo, daneben Nischenplayer wie das junge Stadtmagazin «Hello Zurich» oder das Frauenfussball-Magazin. Auf dem Markt der Online-Medien herrscht ein Kommen und Gehen. Vor allem kleinere Organe verschwinden zum Teil so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Knackpunkt sind meist die Finanzen. Dass es da auch kreative Lösungen gibt, zeigt etwa das Banken-Blog «Inside Paradeplatz», das sich unter anderem mit einem Online-Shop für Weine finanziert.

Für das Lauberhornrennen gibt es ohne SRG keinen Plan B

Keine SRG, kein Lauberhornrennen mehr am TV – oder zumindest nicht in der gewohnten Top-Qualität. Als Alternative zu den heutigen Produktionsstandards der SRG sieht OK-Chef Urs Näpflin bestenfalls eine «Low-Budget-Produktion mit drei oder vier Kameras». Darum hegt Näpflin «allergrösste Bedenken» für den Fall, dass die No-Billag-Initiative Anfang März angenommen werden sollte. Bei der SRG hält man sich derweil bedeckt. Sportchef Roland Mägerle sagt nur so viel: «Bei Annahme der Initiative hat die SRG ihren Leistungsauftrag noch bis zum 31. Dezember 2018 zu erfüllen. Da die nächsten Lauberhornrennen erst wieder im Jahr 2019 stattfinden, kann Stand heute nicht beurteilt werden, was mit der Produktion und Ausstrahlung passieren würde.»

Facebook setzt stärker auf Freunde als auf Medien

Facebook-Chef Mark Zuckerberg findet, es laufe zu wenig auf seiner Plattform, die Nutzer verhielten sich zu passiv. Das will er ändern. Denn Aktivität ist gut fürs Geschäft. Eine der Massnahmen betrifft Medien, die Artikel und Videos auf Facebook teilen. Da solche Inhalte passiv genutzt werden, sollen sie aus dem Newsfeed verbannt werden – es sie denn, sie werden von Freunden oder Verwandten geteilt. Facebook will seine Nutzer zu einem aktiveren Verhalten animieren. Martin Giesler vom Social Media Watchblog sieht in den angekündigten Massnahmen durchaus auch Chancen für die Medien: «Zwar wird es kurzfristig zu einigen Einschnitten kommen, gerade mit Blick auf den Traffic, mittelfristig aber könnte das News Feed Update journalistischen Anbietern durchaus helfen. Wenn künftig nicht auf Klick und Like optimiert wird, sondern darauf, sich eine loyale Community aufzubauen, dann wäre viel gewonnen.»

BBC-Reporter erkennt Torhüter-Legende nicht

Am vergangenen Mittwoch verstarb Tommy Lawrence, Torhüter des FC Liverpool von 1957 bis 1971. Vor zwei Jahren stand Lawrence einem BBC-Reporter gegenüber, der eine Strassenumfrage zum Liverpooler Lokalderby machte. Der Journalist erkannte den früheren Fussballspieler nicht und fragte den älteren Herrn, ob er sich an das Derby von 1967 erinnern möge. «Ja, klar», sagt Lawrence. «Ich spielte damals. Ich war der Torhüter von Liverpool.» Der verblüffte und fussballhistorisch schlecht bewanderte Reporter fragte dann noch freundlich, ob er den Namen erfahren dürfe.

Die Krönung von Peter Wanners Lebenswerk, Caravane FM in Dorf und Spital, die Sehnsucht nach der Katastrophe, Macron vs. Fake News

Hintergrund zum AZ/NZZ-Deal: eine pragmatische Liebesheirat

Aus etwas zeitlicher Distanz hat Florence Vuichard in der «Bilanz» den Zeitungsdeal zwischen den AZ Medien und der NZZ Mediengruppe noch einmal etwas genauer unter die Lupe genommen. Die beiden Unternehmenschefs «Wanner und Jornod vergleichen ihren Deal gerne mit einer Liebesheirat», schreibt Vuichard. «Doch letztlich ist es der sich rasant wandelnde Markt, der sie zur Fusion zwingt». Wanner und seine AZ Medien stehen als klare Gewinner des Deals da und stärken so ihr Mediengeschäft, auf das sie sich auch in Zukunft verlassen wollen und nicht mit branchenfremden Geschäften.

RTS «bi de Lüt» – Westschweizer Sender bringt Radio ins Dorf

Die Szenen wirken wie aus der Zeit gefallen: Andächtig und stumm hören Leute konzentriert Radio. Sie lauschen den Stimmen der Nachbarinnen und Mitbewohnern aus ihrem Ort. Gesendet wird aus einem Wohnwagenstudio, das für zwei Tage neben der Dorfbeiz installiert steht. In der vierten Ausführung von «Caravane FM» befinden wir uns im abgelegenen Weiler Seleute im Kanton Jura. Das grosse Westschweizer Radio bringt mit diesem Format den hyperlokalen Sender ins Dorf. 48 Stunden Programm von und mit den Einwohnerinnen und Einwohnern. Der Bauernbub erzählt, wie er einmal Bauer werden möchte und der stolze Vater hört das zuhause am Küchentisch aus dem Radio. Eine Zusammenfassung der zwei Tage Dorfradio gibt es als 50-minütige Episode am Westschweizer Fernsehen zu sehen. In früheren Folgen von «Caravane FM» besuchten die Moderatoren Lionel Frésard und Jean-François Michelet mit ihrem Radiowohnwagen ein Spital und ein Altersheim.

Lawinen-Berichterstattung zwischen Realität und Medienwirklichkeit

Wer derzeit nur oberflächlich die Berichte über die Wetterlage in Wallis verfolgt, könnte schnell den Eindruck gewinnen, dass wir es mit einer Jahrhundertkatastrophe zu tun haben. Zermatt! Eingeschlossen! Luftbrücke! Nur: Mit der Realität hat dieses Bild wenig bis nichts zu tun, wie Helmut Stalder in der NZZ schreibt. «Etliche Medien haben mit den bewährten Mitteln der Dramatisierung, Übertreibung und Selektion eine sekundäre Wirklichkeit der Ereignisse konstruiert, die nicht sehr viel mit der Wirklichkeit zu tun hat, aber viel aussagt über die Wunschvorstellungen in den Redaktionen.» Es ist der Wunsch nach der Katastrophe, die für «zivilisationsverwöhnte Flachländer und Städter» spannender erscheint als die von den Betroffenen völlig unspektakulär erlebte Realität im Umgang mit den Unbilden der Natur.

Frankreich: Kritik an Gesetz gegen Fake News

Bis Ende Jahr will der französische Präsident Emmanuel Macron ein Gesetz gegen Fake News in Kraft setzen. Richter sollen mit Sonderkompetenzen ausgestattet werden, um bestimmte Inhalte schnell zu löschen oder blockieren. Des weiteren solle das Gesetz Transparenz über die Finanzierungsquellen von Medien schaffen und so Beeinflussungsversuche aus dem Ausland unterbinden. Ein Passus der sich deutlich und direkt gegen die – jüngst ausgebauten – russischen Medienaktivitäten in Frankreich richtet. Kritiker sehen ein Problem darin, dass nicht klar ist, was in diesem Kontext als Fake News gilt und wer das bestimmt. Viele französische Medien stellen sich – gerade mit Blick auf das Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Deutschland – auf den Standpunkt, dass nicht Regulierung das richtige Mittel gegen Fake News sei, sondern mehr Medienkompetenz.

Mit den Medien und gegen die Medien, Generation Z kann nicht ohne Youtube, «Tag der arbeitenden Journalisten», Gif-Hitparade 2017

Wenn deutsche Parteien auf Facebook Medien zum Thema machen

Ohne die Inhalte professioneller Medienorganisationen wäre auf Social Media nur halb so viel los. Redaktionelle Beiträge werden munter gelikt, geteilt und kommentiert und manchmal auch manipuliert. Eine Studie des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich ging der Frage nach, wie deutsche Parteien im Bundestagswahlkampf auf Facebook traditionelle Medien zum Thema machten. Auffällig: Bei den Postings der AfD spielten Medieninhalte in fast der hälfte der Fälle eine Rolle. Bei den anderen Parteien liegen die Werte wesentlich tiefer. Ein grosser Unterschied zeigt sich auch in der Art und Weise, wie die Parteien den Medien begegnen. Während die traditionellen Parteien die Medien als Kanäle betrachten, die als Multiplikatoren für die Verbreitung ihrer Botschaften dienen, macht die AfD die Inhalte der Medien in ihren Facebook-Postings zum Thema. Ihre Strategie, gemäss des Autoren-Trios: «Populisten skandalisieren die etablierten Medien und nutzen diese gleichzeitig als Vehikel, wenn deren Berichterstattung die populistische Weltsicht stützt.»

Youtube ist das neue Fernsehen

Zwei von drei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland im Alter von 14 bis 24 Jahren schauen täglich Videos auf Youtube. Hauptsächliches Ziel der Nutzung ist Unterhaltung. 88 Prozent geben dies in einer aktuellen Studie des Hamburger Marktforschungsunternehmens Appinio so an. Nachrichten und Journalismus werden schwach nachgefragt, am ehesten noch mit Dokumentarfilmen. Immerhin ein Viertel der befragten gab dies so an. Was die jungen Nutzer am meisten nervt, ist – wenig überraschend – die Werbung.

Ein speziell zynischer Feiertag

In der Türkei feierte heute der Präsident den «Tag der arbeitenden Journalisten». Recep Tayyip Erdogan sieht sein Land so: «In Sachen Pressefreiheit, neueste Kommunikationstechnologien, soziale Medien und Internetjournalismus ist die Türkei heute eines der führenden Länder der Welt.» Angesichts der über 160 inhaftierten Medienschaffenden, darunter auch ausländische Journalisten wie Deniz Yücel aus Deutschland, und dem anhaltenden Druck auf die freie Presse, ist die präsidiale Einschätzung an Zynismus kaum mehr zu übertreffen. Umso mehr, wenn er postuliert, eine weltoffene Gesellschaft sei nur mit «freien, transparenten und gerechten Medienorganisationen» möglich.

Ein bewegtes Jahr: die Gif-Hitliste 2017

Mit dem bewegten Bundesratsfoto ist das Gif definitiv im Mainstream angekommen. Ein untrüglicher Hinweis auf die grosse Popularität dieses Bildformats zeigen auch die Zahlen der Plattform Giphy, die im Web als erste Anlaufstelle für die Suche und Publikation der animierten Netzbilder dient. Täglich zählt die Plattform 200 Millionen Nutzer. Zum Jahresende zeigte Giphy, welche Motive 2017 am meisten Abrufe erzielten. An der Spitze steht eine wunderbare Miniatur und Botschaft der Liebe. Auf den weiteren Plätzen folgen Klassiker, wie ein Augenblinzeln, oder ein winkender Mops.

So kam es zum Goldbach-Deal, «No Billag» in der deutschen Debatte, keine Angst vor Social Media, gegen das Grossraumbüro

Tamedias Doppelspiel

Der Mediendeal des Jahres kam erst ganz zum Schluss: Tamedia wird die Werbevermarkterin Goldbach übernehmen. Das verkündeten die beiden Unternehmen am 22. Dezember. Inzwischen weiss man auch, dass Tamedia gleichzeitig auch mit der SRG, Ringier und Swisscom über einen Einstieg bei deren Vermarkter Admeira verhandelt hatte. Markus Knöpfli rekonstruiert auf «Horizont» das Doppelspiel von Tamedia.

Auswirkungen von «No Billag» auf die Debatte in Deutschland

Andere Länder, gleiche Diskussionen: In Deutschland, wo eine Haushaltsabgabe zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bereits eingeführt ist, wächst der Druck auf das neue Modell. ARD und ZDF, schreibt Hans-Peter Siebenhaar im Handelsblatt, hätten die Stimmung unterschätzt und wohl gedacht, der Widerstand gegen die flächendeckende Abgabepflicht unabhängig vom Medienkonsum lege sich dann schon – was nicht der Fall ist. Die Bundesländer «müssen daher in Absprache mit ARD und ZDF schleunigst neue Zukunftsmodelle entwickeln und diskutieren, die das veränderte Nutzerverhalten auch für die Finanzierung berücksichtigen», fordert Siebenhaar. Ausserdem werde die «No Billag»-Abstimmung in der Schweiz den Handlungsdruck in Deutschland noch verstärken.

Social Media ist noch nicht bei allen Journalisten angekommen

Ja, es gibt sie noch, die Journalistinnen und Journalisten, für die Social Media auch 2017 noch Neuland war. Damit das nicht so bleibt, hat das «Migros Magazin» seine Print-affinen Mitarbeitenden ins kalte Wasser geworfen und ihnen die Verantwortung für die Online-Kanäle ihrer Publikation überlassen. Reto Vogt, Leiter Ressortleiter Online beim «Migros Magazin», hält das Experiment grundsätzlich für geglückt, wenn auch ein nächstes Mal die Dauer verlängert werden sollte. Seine Bilanz auf dem Blog der Beratungsfirma Tinkla.

Damit es wieder einmal gesagt ist: zur Hölle mit dem Grossraumbüro!

Diese «Hassrede» ist Balsam auf die geistigen und seelischen Wunden aller Grossraumbüro-Geschädigten dieser Welt. Christoph Schäfer von der FAZ zieht eine persönliche Bilanz nach Jahren der Arbeit in modernen Newsrooms, also Grossraumbüros. Und es sind keine schönen Erfahrungen: «Der Gedanke an Flucht in die Einsamkeit der Schweizer Berge erfasste fast alle Großraumkollegen in regelmäßigen und heftigen Schüben.» Ein wichtiger Kritikpunkt ist die mangelnde Hygiene am Arbeitsplatz. Nach dem Motto: geteilte Verantwortung ist keine Verantwortung, versiffen die gemeinsam genutzten Schreibtische. Kaffeetassen bleiben stehen, Müll bleibt liegen, der nächste räumts dann schon weg. Oder eben auch nicht. Doch Schäfer findet bei aller Kritik auch Pluspunkte: «Ein Newsroom ist sinnvoll, wenn es darum geht, in kurzer Zeit mit vielen Beteiligten eine Lösung zu finden.» Was hingegen nicht gehe, sei es «die Mitarbeiter aus reinen Kostengründen zusammenzupferchen.»