von Nick Lüthi

«Breaking News»?

Matthias Ramsauer, amtierender Vizedirektor des Bundesamts für Kommunikation (Bakom), wechselt als Generalsekretär ins Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Der Bundesrat wird den Juristen heute Mittwoch wählen. Durch eine Indiskretion auf Facebook hat die MEDIENWOCHE bereits vor einer Woche davon erfahren. Weshalb wir die Personalie trotzdem erst jetzt veröffentlichen. Ein Arbeitsprotokoll.

«Zu Gerüchten nehmen wir keine Stellung», teilten am letzten Donnerstag unisono Bakom und EJPD mit. Auch Matthias Ramsauer selber schrieb auf Anfrage in einer E-Mail den gleichen Satz. Dennoch steht fest, dass es kein Gerücht ist und der Bundesrat den Appenzeller Juristen heute zum neuen Generalsekretär von Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Justiz- und Polizeidepartement wählen wird. Ramsauer arbeitet seit 1990 in der Bundesverwaltung, seit 1992 im damals neu gegründeten Bakom, zuletzt als Vizedirektor und Chef der Abteilung Radio und Fernsehen. Der Posten des Generalsekretärs im EJPD war verwaist, nachdem der letzte Amtsinhaber Evelyne Widmer-Schlumpf ins Finanzdepartement gefolgt war. Durch eine Indiskretion ist der Wechsel Ramsauers frühzeitig bekannt geworden.

Am Anfang stand eine Meldung auf Facebook und dahinter ein mitteilungsbedürftiger Matthias Ramsauer, der seinen zwar noch nicht bestätigten, aber gesicherten Wechsel ins Justizdepartement offenbar nicht länger für sich behalten konnte. Die Freude war in der Folge nicht nur die seine. Auch andere freuten sich mit. Und so kam es, dass ein guter Freund die Meldung über Ramsauers Karriereschritt brühwarm in seinem Facebook-Profil verbreitete. Wer 500 und mehr Facebook-«Freunde» gesammelt hat, kann davon ausgehen, dass sich darunter auch der eine oder andere Journalist befindet. Ganz ohne Absicht und weiteres Zutun fand sich die MEDIENWOCHE im Kreis der Eingeweihten wieder.

Erster Reflex: Raus damit! Und zwar schnell. Das interessiert. Wir sind ein Medienmagazin und Ramsauer als Bakom-Vize und Chef der Abteilung Radio und Fernsehen eine bekannte Figur in der Medienlandschaft. Dann folgte die Reflexion nach dem Reflex: Die Information lässt sich nicht «hart machen». Der Facebook-Meldung könnte schliesslich ein Missverständnis zugrunde liegen. Ausserdem wollten sich die drei involvierten Parteien nicht zu dem Gerücht äussern und andere Quellen liessen sich nicht anzapfen. Ja, es gab sie gar nicht, da im Vorfeld einer Wahl nur ein kleiner Personenkreis von der Nomination weiss.

Doch die Hinweise auf die Richtigkeit sollten sich schon bald verdichteten. Nur wenige Stunden nach den Anfragen bei Bakom und EJPD war der verräterische Facebook-Eintrag verschwunden. Ramsauer hatte wohl seinen Freund dazu angewiesen. Als nächstes klingelte das Telefon. Ein Mitarbeiter von Bundesrätin Sommaruga meldete sich und wollte wissen, was die MEDIENWOCHE nun zu tun gedenke. Man solle doch bedenken, was das für Ramsauer bedeuten könnte, wenn vor erfolgter Wahl diese Personalie bekannt würde. Nun, den Schaden haben nicht wir angerichtet. Eine Bestätigung für die Richtigkeit gab der EJPD-Mitarbeiter freilich keine. Doch seine unkonventionelle Intervention schien ein ziemlich eindeutiger Hinweis darauf, dass es sich tatsächlich um Ramsauer handelt.

Um auch berufsethisch und juristisch einwandfrei zu handeln, blieben noch Abklärungen bei einschlägigen Sachverständigen. Zum Beispiel beim Presserat. Für Vizepräsidentin Esther Diener-Morscher war der Sachverhalt ein klarer Fall: «Berufsethisch betrachtet steht ausser Zweifel, dass eine solche Information veröffentlicht werden darf, zumal sie ja zu einem späteren Zeitpunkt sowieso für die Öffentlichkeit bestimmt ist.» Auch werde hier keine Privatsphäre verletzt, da es nicht um schützenswerte persönliche Angaben gehe, sondern um den Hinweis auf ein hochrangiges, öffentliches Amt. Zur gleichen Einschätzung kam auch ein als Jurist ausgebildeter Redaktor.

Und schliesslich folgte am Montag der entscheidende Anruf einer absolut vertrauenswürdigen Quelle mit der einwandfreien Bestätigung, dass der Bundesrat Matthias Ramsauer zum neuen Generalsekretär des EJPD wählen wird. Voilà: Der Primeur. Gerade noch knapp vor seinem Verfallsdatum und gegen den Wunsch des EJPD, mit der Veröffentlichung bis nach der Wahl zuzuwarten Was wäre geschehen, wenn wir dem ersten Reflex nachgegeben und die Fakten sofort veröffentlicht hätten? Wäre die Wahl Ramsauers gefährdet gewesen? Wir wissen es nicht, weil wir recherchiert haben und die Breaking News eigentlich keine mehr sind.

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Leserbeiträge

b3nsen 16. Februar 2011, 12:45

*lol* passt ja zu zu somaruga sowas *kopfschüttel*

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