von Nick Lüthi

Spielregeln auf dem Silbertablett

Der Schweizer Presserat bietet in einem neuen Handbuch praxisnahe Hilfestellungen für berufsethisch einwandfreies Arbeiten. Damit will der Presserat dafür sorgen, dass seine Entscheidpraxis vermehrt in die tägliche Redaktionsarbeit einfliesst.

Der Presserat hat ein Problem: Alle kennen ihn, aber die wenigsten nutzen seine Expertise im Berufsalltag. Zu diesem Ergebnis kam 2007 eine Umfrage bei 1000 Medienschaffenden in der Schweiz. An diesem Befund dürfte sich bis heute nicht viel geändert haben.

Nun macht das Selbstkontrollorgan der Branche einen Schritt auf die Journalisten zu. Im neuen Handbuch «So arbeiten Journalisten fair» bietet der Presserat «Fragen und Antworten, Regeln und Beispiele». Der Ratgeber erscheint nicht nur gedruckt, sondern auch im Web und bald auch als App für iPhone und Android-Mobiltelefone.

Im Kern handelt es sich bei der Publikation um eine praxisnahe Aufbereitung und Darreichung der Entscheide des Presserats. Die Praxisnähe zeigt sich insbesondere bei der Gliederung des Handbuchs. Auf konkrete Fragen, wie sie sich Journalisten tagtäglich stellen (oder stellen sollten), liefern die beiden Autoren, der Medienrechtler Peter Studer und Martin Künzi, Jurist und Sekretär des Presserats, einfache und verständliche Antworten.

Zum Beispiel auf die Frage: Wie stark darf ich Titel und Schlagzeilen zuspitzen? Den ersten Teil der Antwort gibt es kurz und bündig: «Bei Titeln und Schlagzeilen ist zwischen zulässigem Zuspitzen (im Sinn von: einen Sachverhalt genau auf den Punkt bringen) und dem verpönten, wahrheitswidrigen Überspitzen zu unterscheiden, bei dem Gefahr besteht, die Leserschaft zu täuschen.»

Zur Vertiefung verweisen die Autoren auf Fälle, die der Presserat zu diesem Thema behandelt hat. Mit einer Checkliste lässt sich schliesslich überprüfen, ob man sich im Bereich des medienethisch Vertretbaren bewegt. Nach diesem Muster gibt der Ratgeber Antwort auf 67 Fragen aus der Berufspraxis.

Wenn die Spielregeln für fairen Journalismus auf dem Silbertablett serviert werden, gibt es keine Ausreden mehr bei Verstössen dagegen. Ob der Ratgeber sein Ziel erreicht, werden die künftigen Entscheide des Presserats zeigen.

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Leserbeiträge

Manuel Puppis 25. November 2011, 10:33

Sehr begrüssenswert: hoffentlich gelingt es mit diesem Ratgeber aufzuzeigen, dass Medienethik und der Presserat alles andere als praxisfern sind. Zudem ist es sicher sinnvoll, dazu beizutragen, Verstösse gegen die Rechte und Pflichten der JournalistInnen schon von vornherein zu vermeiden, statt “nur” Verstösse zu rügen. Hoffentlich nehmen sich den Ratgeber auch Medien zu Herzen, die sich bisher um die Rügen nicht gross geschert haben…

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