von Nick Lüthi

«Single Point of Failure»

Grund für den Tonausfall im Dienstagskrimi war ein Nadelöhr in der Sendeabwicklung. Ein Bauteil versagte, für das es kein redundantes System gibt. SRF-Direktor Matter bedauert diesen Vorfall und schreibt, dass allein technische Massnahmen nicht ausreichten, um solches Versagen künftig zu verhindern.

Der Direktor von Schweizer Radio und Fernsehen SRF ist besorgt. Und das mit gutem Grund. Nach dem vorzeitigen Abbruch der Olympia-Abschlussfeier und dem 22 Minuten dauernden Tonausfall im «Donna Leon»-Krimi steht der öffentliche Rundfunk im Zentrum der öffentlichen Kritik. Für die teils heftigen Reaktionen der Zuschauerinnen und Zuschauer habe er «grosses Verständnis», schreibt Matter heute im Chef-Newsletter an seine Mitarbeiter. «Pannen dieser Grössenordnung gefährden unsere Reputation.» Auch deshalb, weil sie als willkommener Anlass dienten, um die Gesamtleistung von SRF «pauschal abzuqualifizieren.» Obwohl Matter keine Namen nennt, dürfte klar sein, dass der SRF-Direktor damit jenen Teil der Medienberichterstattung meint, der dem Schweizer Fernsehen eine gestiegene Fehleranfälligkeit unter seiner Führung vorwirft.

Klar ist soviel: Wenn Fehler im Ausmass des Tonausfalls vom Dienstag vorkommen, dann ist das immer auch Chefsache, selbst dann, wenn wie im vorliegenden Fall die Technik versagt hat. Grund für den weggebliebenen Ton sei ein Hardware-Ausfall im Audio-System des neuen Sendezentrums, schreibt SRF-Direktor Matter im Newsletter. Ein einzelnes Bauteil habe den Dienst versagt, und zwar ausgerechnet eines, an dem im Fall einer Panne kein anderer Weg vorbeiführt. Dieses Nadelöhr, oder in der technischen Fachsprache: «Single Point of Failure», soll in den nächsten Tage aufgehoben werden mit der Installation eines redundanten Systems. Ausserdem hat Matter die Techniker angewiesen weitere solche kritischen Stellen aufzuspüren.

Doch mit verbesserter Technik allein ist es nicht getan. Fehler müssten künftig schneller erkannt werden, fordert der SRF-Direktor von seinen Mitarbeitern. Dazu habe er veranlasst, dass alle technischen Systeme und Prozesse im Sendezentrum ebenso wie die Verantwortlichkeiten überprüft und die Pannentrainings intensiviert werden.

Kommentieren

*Pflichtfelder

Ihre Persönlichen Daten werden nicht veröffentlicht oder weitergegeben.

Leserbeiträge

bugsierer 16. August 2012, 19:07

na ja … wenn die technik aussteigt und 22 minuten nix passiert, passt das irgendwie zur unsitte auf SF2, spielfilme nach dem letzten satz einfach very zackig auszublenden resp. den nächsten trailer zu starten. man wird den eindruck nicht los, dass im leutschenbach nachts nur noch computer anwesend sind, die das programm abfahren. und wenn dann wirklich mal eine panne passiert, dauert es eben 22 min. bis jemand eingreifen kann.
für einen hochdotierten flaggschiffsender wie SF ist das zu wenig.

Antworten...

bugsierer 16. August 2012, 22:03

offensichtlich ligen die nerven blank im leutschenbachschen technikdschungel. soeben beginnt 10vor10 mir rekordverdächtiger verspätung um 22.56 uhr. hallo?

Antworten...

Vladimir Sibirien 17. August 2012, 09:49

Wahnsinn, 6 Minuten Verspätung. Wenn das die Probleme dieses Landes sind…

Auch 22 Minuten Tonausfall bei Donna Leon. So what. Da wäre sogar ein kompletter Tonausfall ein Geschenk. Ich beantrage Selbiges für sämtliche Sendungen des SF DRS. Wenn möglich auch mit Bildausfall.

Im Zug schauen die Passagiere nach 1 Minute über Abfahrtszeit auf die Uhr und blicken verstört.

Dieses Land geht an den 100% zugrunde.

Antworten...