von Nick Lüthi

Gegen den ambitionslosen Hochglanz!

Erfolgreicher Fussball heisst noch lange nicht, dass die Medien der Top-Vereine in der obersten Liga spielen. Im Gegenteil: Im Stadion dominiert ambitionsloser Hochglanz. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick in die Amateurliga. Dort spielt der FC Bern publizistisch ganz vorne mit.

Zu den lästigen Begleiterscheinungen des modernen Fussballs zählt auch die Aufrüstung an der Medienfront. Ignorieren und aufs Spiel konzentrieren, hilft nur beschränkt. Denn ausgerechnet dem übelsten Auswuchs moderner medialer Matchbegleitung lässt sich beim Stadionbesuch nur schwerlich entkommen. Die Unzahl der «Stadion-TV»-Bildschirme ist geradezu proportional zur Installation von Überwachungskameras gewachsen; ein panoptisches Sehen und Gesehenwerden.

Die Fussballvereine der Super-League sind heute auch Medienunternehmen. Wobei sich Medien nur im Ausnahmefall auch auf Journalismus reimt. Vielmehr bieten Klubheft, Matchprogramm und Stadionfernsehen ein attraktives Werbeumfeld und zeigen den Verein natürlich nur von der besten Seite. Oder es handelt gleich gänzlich ungetarnt um Kommerzvehikel, wie etwa das neue «Rotblau Business»-Magazin des FC Basel, das sich an Sponsoren richtet und Unternehmen, die es noch werden sollen. Nun darf man von Vereinen, die nach sportlichem und vor allem wirtschaftlichem Erfolg streben, nicht unbedingt erwarten, dass sie umfassend und unabhängig (geschweige denn kritisch) über sich selbst und die Branche berichten.

Publizistische Ambitionslosigkeit ist indes nicht das Privileg der ganz Grossen, sie zieht sich quer durch die Ligen. Vereinsorgane und Matchprogramme gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Wo ein Faltblatt mit der Mannschaftsaufstellung reichen würde, kriegt man Hochglanzkataloge, die dann doch nicht viel mehr Nützliches enthalten als, eben: die Mannschaftsaufstellung.

Ein besonders tristes Kapitel ist die Gestaltung. Als gäbe es eine geheime Absprache, ein Kartell der Ahnungslosen, begnügt man sich allenthalben mit grafischen Rudimenten. Solange die Inserateflächen gebucht werden, gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern. Oder etwa doch?

Als Kontrapunkt zu seiner sportlichen Bedeutungslosigkeit hat der einst grosse FC Bern publizistisch den Sprung in die oberste Liga geschafft. Seit zwei Jahren und sechs Ausgaben erscheint das Klubheft «Dr Bärner» als Magazin, das den Vergleich mit den grossen der Branche nicht zu scheuen braucht. In Aufmachung und Anmutung liegt man näher bei «zwölf», als bei den Organen anderer 2.-Liga-Vereine.

Den Unterscheid markiert bereits der Umschlag. Keine Spiel-, Tor- und Jubelszenen, sondern schlichte Grafik. Im Heftinnern steht zwar der Verein im Zentrum, aber nicht in ambitionsloser Selbstbespiegelung. Man will nicht das Offensichtliche zeigen, sondern das Unbekannte und Überraschende. Dazu zählen Ausflüge in die Geschichte, ebenso wie der Blick über die Grenzen auf fremde Plätze. Auch Freunde der Weltliteratur kommen auch nicht zu kurz. Dem Fragebogen von Max Frisch stellt sich jeweils ein Vereinsmitglied. Illustriert werden die Texte mit Fotografien und nicht mit Föteli. Das ist aufwändig und braucht Zeit. Vier Mal pro Jahr erscheint das Fussballmagazin des FC Bern.

Selbst wer sich für die sportlichen Aspekte bernischen 2.-Liga-Fussballs nicht erwärmen kann, findet Gewinn und Genuss. Leider – und das ist die Kehrseite des zufälligen Lektürefunds – bleibt «Dr Bärner» eine jener sprichwörtlichen Ausnahmen, die die Regel bestätigt.

Dieser Text ist zuerst in einer gekürzten Fassung als Kolumne im Magazin «zwölf – Fussball-Geschichten aus der Schweiz» erschienen.

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