von Nina Fargahi

«Addendum» – oder: was fehlt, ist das Rückgrat

Die neue Recherche-Plattform «Addendum» in Österreich behauptet von sich, die Lücken zu füllen, die der Journalismus heute offen lässt. Das Asyl-Dossier zum Start des neuen Medienangebots lässt zumindest erhebliche Zweifel an diesem hehren Anspruch.

Der Gründer und Chef des Getränkeherstellers Red Bull sieht sich offenbar zu Höherem berufen. Dietrich Mateschitz schickt sich gerade an, den Journalismus in Österreich zu retten. «Addendum» heisst die Wunderpille, lateinisch für: «das, was fehlt». Pünktlich zum Endspurt im österreichischen Wahlkampf erfolgte der Start des neuen Medienangebots. Laut Geschäftsführer Nico Alm ist «Addendum» die «multimediale Antwort auf die Krise des Journalismus». Eine «Plattform für investigative journalistische Recherche», steht auf der Website.

Das Konzept sieht vor, dass ein Thema jeweils während einer Woche auf der Plattform ausgebreitet wird. Den Auftakt macht die Serie «Asyl. Ein Konzept von gestern?». Darin geht es um die These, wonach es eigentlich gar kein Recht auf Asyl gebe, die Genfer Flüchtlingskonvention habe es «durch die Hintertür eingeführt». Und die Europäische Menschenrechtskonvention schütze Terroristen. Und in Bezug auf «Österreichs Asylkrise» schreibt «Addendum»: «Am Ende kommt es darauf an, ob die Politik bereit ist, internationales Recht ausser Kraft zu setzen.»

Ausser der gefälligen Aufbereitung kommt alles ziemlich altbekannt daher. Wenn das «Addendum» bedeutet, dass es mehr vom Gleichen gibt, einfach hübscher verpackt, dann ist es genauso gut verzichtbar. Mit unabhängigem Journalismus haben die Beiträge nicht viel zu tun, dafür viel mehr mit politischer Meinungsmache. Die «Süddeutsche Zeitung» fragte darum, ob «Addendum» ein «Breitbart aus den Alpen» sei.

Wer «Addendum» aufmerksam liest, merkt schnell, woher der Wind weht. Für die anderen ist ein Interview mit Geldgeber Mateschitz vom letzten April in der «Kleinen Zeitung» aufschlussreich. Darin zieht der Red-Bull-Boss in Wutbürger-Manier über die politisch Korrekten, die intellektuelle Elite, den Staat, die Medien, die Grünen etc. her. So überrascht es wenig, dass aus dem Versprechen investigativer Recherche und feinem Journalismus bisher nicht viel geworden ist. Aber das Medienprojekt ist erst gestartet und als solches gehört es sich eigentlich, transparent zu machen, welchen Interessensgruppen hier nach dem Mund geredet wird, selbst wenn dies offensichtlich ist. Das Medienportal «Addendum» hat jedenfalls ein dezidiertes Profil. Es fehlt ihm bloss noch eine «Spina», lateinisch für: Rückgrat.

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Leserbeiträge

V. Löffel 03. Oktober 2017, 03:48

Immerhin hat er (wie z.B. auch Blocher) etwas erreicht im Leben, schafft Arbeitsplätze (ausserhalb der geschützten Werkstatt Staat/SRG) und zahlt Steuern (füttert also all die Beamten, Lehrer, Sozial”arbeiter” und Abzocker-Entwicklungshelfer durch).

Lieber Medien von Machern und Könnern als linksfaschistische Gutmenschen-Propaganda aus der geschützten Werkstatt SRG.

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M. Berger 05. Oktober 2017, 02:44

Es ist offenbar leichter, von Huffington Post Deutschland Vorgekautes nachzubeten als aus der eigenen Wahrnehmungsblase herauszukommen und die Beiträge genau zu lesen. Richtig guter Journalismus schaut anders aus – mehr an Fakten und weniger an Gesinnungen orientiert, zum Beispiel.

 

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Peter Graff 07. Oktober 2017, 02:56

Sind Sie vielleicht nur neidisch über die “addendum”-Seite ?

Oder wollen Sie der Öffentlichkeit allen Ernstes weismachen, dass die üblichen Zeitungen und Medien nur Fakten berichten und frei von Meinungsmanipulation sind ?

Dann wachen Sie mal auf und versuchen Sie mal zu merken, was eigentlich in den euopäischen Gesellschaften los ist.

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