von Edith Hollenstein

Aktivdünger für junge Netzgewächse

Google und Inhalteanbieter stehen in einer engen Symbiose: Die von Google entwickelte Technologie ermöglicht Verlagen und Blogs, ihre Angebote zu monetisieren und bringt Google Werbeeinnahmen. Aufgrund dieser Gegenseitigkeit unterstützt der Internetgigant aktiv publizistische Online-Angebote. Dazu hat das Unternehmen kürzlich 130 Blogger zu Beratungsgesprächen an seinen Sitz in Zürich eingeladen.

Die Geschichte verläuft nach klassischem Muster: 2004 startete Marcel Klitzsch (23) aus reinem Idealismus einen Blog, wo er über seinen Blumen- und Gemüsegarten schrieb. Interessierte lasen auf hausgarten.net über Baldrian und Spitzwegerich, wie man Läuse und Schnecken vertreibt oder in welcher Mondphase Radieschen rascher aus dem Boden schiessen.

Klitzsch teilte sein Wissen gerne und oft. Sein Blog wuchs, immer weitere Unterseiten und Dienstleistungen kamen dazu: Ein Forum, Newsletter, Aktionen und Gewinnspiele. Heute arbeiten zwei Festangestellte und über zehn freiberufliche Redaktoren für hausgarten.net. Mit aktuell 2,79 Millionen Visits ist die Webseite zum reichweitenstärksten Garten-Portal Deutschlands geworden. Die plötzlich grosse Reichweite brachte Anzeigen und natürlich Werbekunden. Ausserdem kam Google ins Spiel. Heute machen Einnahmen mit «Google-AdSense» (Werbesystem, das passende Anzeigen-Einblendungen zu Suchanfragen generiert) 70 Prozent des Umsatzes aus.

Zum einen entwickelt das Unternehmen technologische Lösungen, welche kontextuelle Werbung ermöglichen, zum anderen leistet es finanzielle Unterstützung durch Programme wie den «IPI News Innovation Contest» (unterstützt innovativen Journalismus mit 2,7 Millionen Dollar). Auserdem berät Google Blogger und Betreiber von Kleinwebseiten, denn schliesslich könnte sich das hausgarten.net-Phänomen bei weiteren jungen Netzgewächsen wiederholen. Zu diesem Zweck lud das Unternehmen Ende März rund 130 Blogger und ausgewählte Webseitenbetreiber aus der Schweiz, Deutschland und Österreich an den Zürcher Google-Firmensitz zu Referaten und Beratungsgesprächen. Das Ziel: «Mit Google-AdSense noch mehr Geld verdienen». Ausserdem konnten sie sich für einige Stunden der eingeschworenen Google-Community zugehörig fühlen: Büros, Fitnessräume, Cafeteria der Google-Entwickler besichtigen und natürlich in der berühmt grosszügigen Gratiskantine schlemmen.

Google spricht bei «AdSense» von einer «Win-Win-Win-Situation». Ein dreifacher Erfolgszustand ist das Werbesystem auch. Denn Webseitenbetreiber verdienen mehr, je geschickter und kontextgebundener sie die Google-Anzeigen auf Ihrer Webseite platzieren. Auch für die Werbetreibenden gibt es nur Vorteile: Ihre Anzeigen erreichen eine noch schärfer umrissene und klar definierte Zielgruppe. Und Google seinerseits profitiert von den höheren Abgaben, die die optimal platzierte Werbung generiert. In den letzten drei Monaten erzielte Google mit diesem Werbesystem einen Umsatz von 2,427 Milliarden Dollar. Fast 70 Prozent davon wurde an die Webseitenbetreiber ausgeschüttet.

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