von René Worni

Das Kreuz mit dem Druck

Christoph Blocher trägt das Risiko für das defizitäre Druckgeschäft der Basler Zeitung. Ein möglicher Weg in die Gewinnzone führt über eine Kooperation. Blochers Wunschpartner wären die AZ Medien. Nun haben aber die Aargauer ihr Powerplay am Rheinknie mit einer neuen Tageszeitung verstärkt. Damit stehen die Zeichen auf Konkurrenz und nicht auf Kooperation.

In Basel macht man mit der Medienvielfalt ernst. Bald fühlen sich ältere Baslerinnen und Basler, die noch eine Stadt mit zwei Tageszeitungen erlebt haben, an die Zeiten vor 1977 erinnert. Damals begründete die erste Zeitungsfusion der Schweiz eine seither nie versiegte Hassliebe der Basler zum neu erstandenen Monopolblatt BaZ. Als Folge des anhaltenden Debakels um die Besitzverhältnisse der Basler Zeitung erscheint seit Ende Oktober die TagesWoche. Und jetzt nutzt auch Peter Wanner, der Verleger der Aargauer Zeitung, die Gunst der Stunde. Er lanciert im Januar am Rheinknie eine Basler Ausgabe der Basellandschaftlichen Zeitung bz. Wanner erhöht damit seinen Druck auf die BaZ weiter: Seit September erscheint bereits eine Basler Ausgabe des «Sonntag» und seit November eine bz-Grossauflage.

Das Powerplay der Aargauer passt nicht ins bisherige Konzept von Christoph Blocher. Er garantiert mit seinen Millionen für den defizitären Druckbereich und hält so den neuen Eigentümern um Tito Tettamanti den Rücken frei. Ohne Blochers Zusage wäre Tettamanti nicht eingestiegen: «Ich brauchte die Garantie von Blocher. Denn ich will das Risiko für die Druckerei nicht übernehmen», sagte der Geschäftsmann vor drei Tagen im Interview des Sonntag. Blocher hatte in der Vergangenheit eine Kooperation mit den AZ Medien favorisiert. Davon erhoffte er sich unter anderem die Lösung seines grössten Problems: Mit der Drucksparte aus den roten Zahlen zu kommen.

Denn ein grosser Teil des Schuldenbergs der Basler Zeitung Medien von über 100 Millionen Franken stammt von den Druckereien. Diese schrecken in der Vergangenheit potenzielle Käufer ab, weil sie als zu grosses geschäftliches Risiko galten. Auch die NZZ hatte sich 2010 für den Kauf der BaZ interessiert. Heute ist man in Zürich froh, die Basler Zeitung nicht gekauft zu haben. Doch Christoph Blocher ist überzeugt, die Drucksparte sanieren zu können. «Diese Druckerei muss wirtschaftlich geführt werden. Das muss auch gewinnmässig etwas abwerfen», sagte Blocher am letzten Montag bei Roger Schawinski am Schweizer Fernsehen. Dazu hat er bisher auf die AZ Medien und einen Teil ihrer Druckaufträge gehofft. Mit gutem Grund: Denn Wanner muss für eine seiner beiden Druckereien eine Lösung finden: Die veraltete Zeitungsrotation in Subingen bei Solothurn müsste er erneuern oder aber stilllegen und die Aufträge an andere Druckerei vergeben – zum Beispiel nach Basel.

2003 hatte der vormalige BaZ-Verleger Matthias Hagemann an der Hochbergerstrasse in Basel für 85 Millionen Franken ein neues Druckzentrum bauen lassen. Heute gilt es als überdimensioniert und ist nur gerade zu 60 Prozent ausgelastet. Obwohl man einer Rotation zwischen 15 und 20 Betriebsjahre zugesteht, sind auch in Basel bereits Investitionen in Millionenhöhe nötig. Und die Auflage der BaZ sinkt, weil ihr die Abonnenten davonlaufen. Auch Coop, der wichtigste Auftraggeber, druckt gemäss Schätzungen von Branchenkennern nur noch einen Drittel von ursprünglich rund 1,2 Millionen Exemplaren der Coop-Zeitung in Basel. Das setzt dem Unternehmen zu. Das Druckzentrum braucht dringend Aufträge. Eine Kooperation mit Wanner käme deshalb sehr gelegen.

Defizitär arbeitet auch die zur BZM gehörende Druckerei Birkhäuser GBC im basellandschaftlichen Reinach. Für Branchenkenner ist sie im Gesamtpaket jedoch ein Nebenschauplatz und könnte abgestossen werden. Im Druckereizentrum an der Hochbergstrasse arbeiten gut 100 Leute. Bei der GBC sind es weitere 300. Für die Sanierung ist Nationalrat und ex Arena-Mann Filippo Leutenegger als neuer VR-Präsident der Medienvielfalt Holding AG zuständig, mit Tettamanti und Blocher schon lange vertraut. Seine Aufgabe ist keine leichte, zumal die Zeit gegen ihn spielt. «Leider ist die Firma jetzt unter Herrn Suter ein Jahr lang stillgestanden», sagte Blocher bei Schawinski.

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