von Nick Lüthi

Weisst du wieviel Sternlein stehen?

Auf dem Videoportal des Schweizer Fernsehens können die einzelnen Beiträge mit einem bis fünf Sternen bewertet werden; aber nur theoretisch. Denn die Vergabe von einem einzigen Stern, der tiefsten Bewertung, ist praktisch unmöglich. Damit wird das Bewertungssystem ad absurdum geführt; Zeit, das unsinnige Publikumsrating abzuschaffen.

Nein, es sind nicht die Maus oder der Computer, die den Befehl verweigern; die Operation lässt sich tatsächlich kaum ausführen. Wer einen Beitrag vom Schweizer Fernsehen richtig schlecht findet und dies mit der Vergabe eines einzigen Ratingsterns auf dem Videoportal kundtun möchte, schafft dies nur mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Bei zwei Sternen klappts dann ganz spielend. Der Effekt ist ebenso klar wie absehbar: Diese Publikumskritik fällt beim Schweizer Fernsehen immer recht milde und gnädig aus.

Man könnte sich nun masslos aufregen und dem Schweizer Fernsehen Manipulation, Beschönigung und Kritikunfähigkeit vorwerfen; die Trickserei als Eingriff in die freie Meinungsbildung. Schliesslich leisten Ratings eine wichtige Orientierungshilfe und beeinflussen das Urteil der nachfolgenden Zuschauer.

Doch die erschwerte Vergabe der Minimalnote ist nur ein Teil des Problems. Vielmehr stellt sich  grundsätzlich die Frage, was das zweifelhafte Bewertungssystem bei einem Service-public-Sender verloren hat. Die Aussagekraft von solchen Publikumsratings tendiert gegen null. Solange nicht transparent ist, wie oft und von wem die Sterne angeklickt werden und ob auch mehrfaches Anklicken gezählt wird, handelt es sich beim Ergebnis um einen manipulierbaren Fantasiewert.

Das Schweizer Fernsehen bietet als eine der wenigen öffentlichen TV-Anstalten ein solches Publikumsrating an. Sowohl das Westschweizer RTS, als auch RSI im Tessin, ebenso ARD und ZDF verzichten auf diese intransparente und nicht-repräsentative Bewertungsform. Mit der praktisch verunmöglichten Vergabe eines einzigen Rating-Sterns offenbart sich vollends die Sinnlosigkeit dieses Instruments. Deshalb gibt es nur eins: das Rating abschaffen.

[Update 9.7.2012 14:12] Leser Olaf Bengtson hat uns darauf hingewiesen, dass es offenbar eine Cursor-Position gibt, mit der es möglich ist, auch einen einzigen Stern zu vergeben. Allerdings braucht es dafür dermassen viel Geduld und Fingespitzengefühl, dass es einer Blockade gleichkommt. Wir haben den Text entsprechend angepasst. An unserer grundsätzlichen Kritik am Publikumsrating ändert dies aber nichts.

[Update II 13.7.2012 12:20] Das Schweizer Fernsehen hat unsere Kritik teilweise ernst genommen. Zwar wurde das sinnlose Sterne-Rating noch nicht abgeschafft, aber immerhin die reibungslose Vergabe von auch einem einzigen Stern ermöglicht.

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Leserbeiträge

Reto Stauffacher 09. Juli 2012, 11:08

Lieber Nick Lüthi, du merkst auch alles! Mir ist das in den 5 Jahren, seit ich bei SF Online arbeite, noch nicht aufgefallen… 🙂 Wie hat sich SF erklärt? Ist das vielleicht einfach ein technischer Fehler?

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Olaf Bengtson 09. Juli 2012, 13:49

Diese Meldung ist schlicht falsch, mit Verlaub. Ein Stern kann angeklickt werden. Man muss jedoch mit der Maus von unten an den Stern herangehen damit es funktioniert. Dh es wird wohl ein simpler Bug sein welcher niemandem auffällt weil wohl kaum einer je eine Bewertung abgibt 😉

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Nick Lüthi 09. Juli 2012, 13:56

Ich habe es ein Wochenende lange versucht und nicht geschafft. Aber dank Ihrem Hinweis habe ich es geschafft. Insofern ist die Funktion nicht blockiert, aber dermassen unergonomisch gestaltet, dass es eine Blockade gleichkommt.

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