von Antonio Fumagalli

Das orange Kochduell

«Fooby» vs. «Migusto»: Wer macht das bessere Foodmagazin, Coop oder Migros? Der Wettkampf zwischen den beiden Detailhändlern geht in eine weitere Runde. Unser Kioskforscher hat ihre neuen Koch- und Küchenpublikationen degustiert.

Es war kaum ein Zufall: Praktisch gleichzeitig haben die beiden grössten Detailhändler des Landes – seit jeher erbitterte Konkurrenten – ein neues Foodmagazin lanciert. Ein gutes halbes Jahr ist das her. Zeit für eine Bilanz: Wer kocht besser, Migros oder Coop?

Der Name
Der orange Riese bleibt sich treu. Ohne die Vorsilbe «Mi» geht bei Migros nichts: «Migusto» heisst darum das neue Heft, das in jeder grösseren Filiale erhältlich ist. Coop hatte es da schon schwerer. Thematisch passend wäre eigentlich «Foody» gewesen, zumindest in der Deutschschweiz geht ein solcher Name aber natürlich gar nicht – erst recht nicht in kulinarischem Zusammenhang. So heisst es halt «Fooby», warum auch immer. 1:0 für Migros.

Die Aufmachung
«Migusto» erscheint monatlich, «Fooby» wurde seit dem Start im Februar drei Mal herausgegeben. Die Erscheinungskadenz wirkt sich sichtbar auf die Gestaltung aus. Das Migros-Heft ist nicht nur deutlich dünner, es ist auch weniger aufwändig produziert. Die Bilder – in Zeiten von allgegenwärtigem Foodporn ein Killerkriterium! – sind in beiden Magazinen stylisch und appetitanregend. Das «Tiptopf»-Schulkochbuch aus der Jugend mit seinen Tellerbildern direkt aus der Spitalküche kann einpacken. «Fooby» kommt ein Stück innovativer daher, auch die Grafiken sind ansprechender gestaltet. Besonders gelungen: Die Vorher-Nachher-Fotos aus der Vogelperspektive, von den einzelnen Zutaten bis zum Gericht. Da läuft einem nicht nur das Wasser im Mund zusammen, es lässt auch die Zubereitung einfach erscheinen. 1 Punkt für Coop, Ausgleich

Der Inhalt
Bei einem Foodmagazin geht es nun mal um nicht viel anderes als ums Essen. Ist der Herausgeber ein Detailhändler, soll es die Leser gleichzeitig animieren, beim Kochen bitteschön die hauseigenen Produkte zu verwenden. Ohne die Rezepte alle nachgekocht zu haben: Sie inspirieren, es selbst zu probieren. Hilfreich sind dabei die Zeitangaben, beide Magazine unterscheiden zwischen «aktiver Zeit» und «Gesamtzeit». Migros liefert zusätzlich detaillierte Nährwertangaben, bei Coop gibts nur die Kalorienzahl. Ungewohntes und daher Spannendes findet man in beiden Heften: Etwa gebackene Grapefruits (Migros) oder die hausgemachten Glückskekse inklusive Spruchzettelchen (Coop).

«Fooby» wartet mit Geschichten auf, welche die Grenze zum Lifestyle-Magazin stark touchieren – etwa die Kolumnen von mehreren Foodbloggerinnen oder der Artikel über Spitzenkoch Ivo Adam. Das liest sich gut, schweift aber auch etwas gar vom eigentlichen Inhalt des Hefts ab. Irritierend ist jedoch vielmehr, dass teilweise beide die praktisch identischen Gerichte und Tipps propagieren: Bei «Migusto» entdeckt der Redaktionsleiter nach Jahren den guten, alten Sonntagsbraten wieder, «Fooby» macht unter dem Stichwort «Schweizer Klassiker» gleich drei verschiedene Braten-Varianten schmackhaft. Selbiges beim Thema Tee: Coop bittet zur «Tea Time», Migros verrät uns, welche «Tees fruchten». Auch wenn man es schon von den Wochenaktionen kennt, die häufig die gleichen Produkte bewerben: Warum diese Lust zur Kopie, liebe Detailhändler? Hier einen Punkt zu vergeben, ist nicht einfach – beide Magazine überzeugen inhaltlich. Dank des grösseren Umfangs des Magazins und der etwas weniger penetranten Werbung für Eigenprodukte holt ihn sich Fooby. 2:1 für Coop.

Die Sprache
Literarische Höhenflüge sind in einem Foodmagazin wahrlich nicht zu erwarten, darum geht es ja auch nicht. «Fooby» nimmt sich mehr Freiheiten. Das tönt dann etwa so: «Fanny kann sich gar nicht an eine Zeit erinnern, in der es in ihrem Leben nicht irgendwie um Essen ging: Sie wuchs in einem Haushalt auf, in dem Familie und Freunde Foodies waren, bevor der Begriff überhaupt erfunden war.» Die dauernde Verwendung des vermeintlichen Trendworts «Foody» wirkt mit der Zeit anstrengend. «Migusto» seinerseits konzentriert sich aufs Kerngeschäft – das Kochen. Mehr braucht es eigentlich auch gar nicht. Gleichstand 2:2

Das Zusatzangebot
Das gedruckte Magazin ist in beiden Fällen nur ein Teil eines breiteren publizistischen Angebots. Online geht es weiter. Neben den klassischen Rezepten bieten beide Unternehmen Lernvideos rund um Kochen und Küche an. Die animierten How-To‘s von Migros sind erstaunlich witzig und bieten teilweise einen echten Mehrwert (wussten Sie etwa, dass ein «kraftloses» Rüebli nach ein paar Minuten im Eisbad wieder knackig ist?). «Fooby» trumpft gar mit einer eigenen App auf – ein echtes Plus. 3:2 für Coop.

Fazit
Für passionierte Köche ist sowohl «Fooby» wie auch «Migusto» zu wenig anspruchsvoll, viel Neues werden sie nicht lernen. Dass im Migros-Heft kein einziges Rezept den höchsten Schwierigkeitsgrad aufweist, ist kein Zufall. Das Zielpublikum ist ein anderes: Die arbeitstätige Bevölkerung, die nicht ewig Zeit zum Kochen hat, aber sich dennoch nicht nur von Tiefkühlpizza ernähren will. Nicht zuletzt dank der optisch ansprechenden Aufmachung wird sie in beiden Magazinen fündig. «Fooby» ist zwar ausufernd, überzeugt letztlich aber eine Prise mehr als das Konkurrenzprodukt der Migros. En Guete!

Migusto kostet in der Migros 3 Franken und erscheint monatlich. Wer Mitglied im Migusto-Club ist, kriegt es gratis. Fooby erscheint drei Mal jährlich und liegt der Coop-Zeitung bei oder in (grösseren) Filialen auf.

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