von Nick Lüthi

Dank, wem Dank gebührt

SRG-Mitarbeiter bedanken sich in TV- und Radiospots bei der Trägerschaft von Schweizer Radio und Fernsehen, «ohne die vieles nicht möglich wäre.» Das stimmt so natürlich nur bedingt. Denn das Geld, das vieles möglich macht, erhält die SRG von den Gebührenzahlern. Ihnen wird nicht gedankt. Eine verpasste Chance.

Nik Hartmann, Steffi Buchli oder Casper Selg: Prominente Stimmen und Gesichter von Schweizer Radio und Fernsehen hört und sieht man derzeit in ungewohntem Kontext. Für einmal berichten sie nicht über Land und Leute, Sport und deutsche Politik, stattdessen bedanken sie sich bei ihrem «Fanclub», wie sie die Trägerschaft der SRG Deutschschweiz nennen.

Doch wer ist diese Trägerschaft? Da die SRG als Verband von Vereinen organisiert ist, können interessierte Personen Mitglied in einem lokalen SRG-Verein werden. Zusammen bilden diese Vereine die Trägerschaft des Rundfunkunternehmens SRG. Der Einfluss des einzelnen SRG-Mitglieds auf die Geschäfts- und Sendetätigkeit von Radio und Fernsehen bleibt aber marginal. Er beschränkt sich auf die Wahl von Gremien, wie Regional- oder Publikumsrat und auf den privilegierten Zugang zu Informationen aus der SRG.

Für dieses Engagement zu danken, ist sicher nicht falsch. Nur stellt sich die Frage nach der Relevanz dieser Kampagne. Die Trägerschaft verfügt über eigene Medien, wo sie die Wertschätzung ihren Mitgliedern gegenüber ebenso gut ausdrücken könnte. Dass die Spots nun auf Radio DRS und SF laufen, hat vor allem damit zu tun, dass die SRG neue Mitglieder gewinnen will. Es sind also Werbespots in eigener Sache, verpackt als Dankesbotschaft.

Doch Dank gebührt in erster Linie den Gebührenzahlern. Verglichen mit der Bedeutung der Trägerschaft ist ihr Beitrag ungleich wichtiger für die Existenz der SRG. Es mutet daher etwas seltsam an, wenn in Zeiten, wo die Finanzierung des Service public von einem Teil der Gebührenzahler infrage gestellt wird, nur denjenigen gedankt wird, die mit ihrer Mitgliedschaft im «Fanclub» sowieso schon ein Bekenntnis zum Service public abgelegt haben.

Dass es auch anders geht, zeigt der öffentliche Rundfunk in Schweden. Mit witzigen, teils personalierbaren TV- und Webvideo-Spots, wurde im skandinavischen Land dem Gebührenzahler für seinen Beitrag zu einem unabhängigen Radio und Fernsehen gedankt. Dank, wem Dank gebührt.

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Leserbeiträge

Daniel Bussmann 25. Februar 2013, 18:24

Weshalb alle Moderatoren denselben Text herunter leiern mussten, blieb mir bislang verborgen. Es macht diese Eigenwerbung aber bestimmt weder interessanter noch spannender.

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