von Nick Lüthi

«Äusserst ungünstige Ausgangslage»

Ein weiteres Mal wollte die Stiftung Mediapulse Einblick in die neuen TV-Zuschauerzahlen gewähren. Doch dazu kam es wieder nicht: Nach den technischen Pannen sind es nun verschiedene Marktteilnehmer, die eine Veröffentlichung blockieren. Sie halten die erhobenen Daten für unplausibel und fordern eine weitere Überprüfung. Vor Ende März ist deshalb nicht mit einer Publikation zu rechnen.

«Erstmals werden wir Zahlen zum Konsum von zeitversetztem Fernsehen und dem TV-Konsum über den Computer präsentieren.» So stand es vor vier Tagen in der Einladung zur Medienkonferenz zu lesen. Doch es sollte anders kommen. Obwohl die Zahlen vorliegen und die Sender und Werbevermarkter bereits damit arbeiten, hätten «gewichtige Ereignisse der letzten Stunden» eine Veröffentlichung für weitere interessierte Kreise verunmöglicht. Laut Marco de Stoppani, Präsident der Stiftung Mediapulse, verlangen mehrere Marktteilnehmer, die aktuellen Nutzerzahlen vorerst unter Verschluss zu halten.

Wie bereits bei früherer Gelegenheit bekannt wurde, zweifeln einzelne TV-Unternehmen – Sender und Vermarkter – die Ergebnisse der neuen Messung an. Bei einzelnen Sendern soll es zu teils massiven Verschiebungen gekommen sein im Vergleich mit der bisherigen Messmethode. Die unzufriedenen Firmen fordern zusätzliche Untersuchungen um die Plausibilität der Zuschauerzahlen zu erhärten. «Deshalb haben wir uns entschieden, mit der Veröffentlichung zuzuwarten, bis eine unabhängige Expertise vorliegt», erklärte de Stoppani. Mediapulse selbst hält die Daten für korrekt und verlässlich.

Um die Zweifel auszuräumen, nehmen sich nun unabhängige Experten der Zuschauerzahlen an. Sie sollen einerseits klären, ob der Aufbau und Betrieb des Panels internationalen Standards entspricht. Andererseits soll den Bedenken der regionalen Veranstalter Rechnung getragen werden, indem überprüft wird, ob die regionalen Eigenheiten der Schweizer TV-Landschaft mit der neuen Erhebungsmethode angemessen berücksichtigt wird. Damit verzögert sich die Veröffentlichung weiter. Ohne die Hände dafür ins Feuer legen zu wollen, nannte Mediapulse-Präsident de Stoppani Ende März als angestrebten Publikationstermin.

Die Ausführungen an der Medienkonferenz zeigten das Ausmass des Schlamassels auf, in das sich Mediapulse und die Branche mit der Umstellung der TV-Messung geritten haben. Von einer «äusserst ungünstigen Ausgangslage» sprach de Stoppani. Nicht besser macht die eh schon verworrene Situation die selektive Herausgabe der Daten: Sender und Werbevermarkter haben Zugriff auf die neuen Nutzerzahlen, dürfen diese aber auf Druck der unzufriedenen Mitbewerber nicht veröffentlichen. Bei Fachleuten sorgt diese «Lösung» für Kopfschütteln. Es sei doch naiv zu glauben, dass die Zahlen nicht publik würden, zu gross ist der zugangsberechtigte Kreis.

Die Frage, ob die missglückte Umstellung der TV-Messung personelle Konsequenzen haben werde, stelle sich nicht im Moment, sagte de Stoppani, um dann noch vieldeutig anzufügen: «Aber sie kennen mein Alter.»

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