von Nick Lüthi

The Good, The Bad & The Ugly XCIII

Seriensender, Sportswashing, Suter-Zitate

The Good – Glücksfall für Serienfans

Sie haben es wieder geschafft. Das Westschweizer Fernsehen RTS zeigt seit dieser Woche «House of the Dragon». Die Serie nach der Vorlage von George R. R. Martin mit der Vorgeschichte zum Fantasy-Epos «Game of Thrones» gibt es weltweit sonst nur im Pay-TV zu sehen. RTS aber zieht regelmässig grosse Serien an Land und kann sie zeitgleich wie die kostenpflichtigen Kanäle im frei empfangbaren Fernsehen zeigen. Ein Glücksfall für Serienfans in der Schweiz. Aber auch ein Sonderfall.

Die kleine Romandie fällt quasi durch die Maschen bei den grossen Rechte-Deals. Gleichzeitig verfügt RTS auch über einiges an Verhandlungsgeschick: Eva Balibrea, die zuständige Abteilungsleiterin, schliesst seit 15 Jahren Deals mit Branchengrössen wie HBO. Der «Tribune de Genève» nannte sie jüngst einen weiteren möglichen Grund für die Akquiseerfolge von RTS: «Manchmal bedauern die Produzenten, dass ihre Serie in der unerhörten Fülle der Angebote einer Plattform untergeht. Und dann ziehen sie uns vielleicht vor.»

Auch wenn SRF nicht an die ganz grossen Serien herankommt, so kann man doch RTS in der ganzen Schweiz empfangen und «House of the Dragon» auch in der Deutschschweiz im englischen Originalton und mit französischen Untertiteln geniessen.

The Bad – Beihilfe zum «Sportwashing»

Noch scheint der Anlass in weiter Ferne, doch seit dieser Woche kann man Werbeplätze im Schweizer Fernsehen während der Fussball-WM in Katar buchen. Wer es für unproblematisch hält, im Umfeld einer Veranstaltung von zweifelhaftem Ruf seine Botschaft zu platzieren, kann dafür nun (viel) Geld ausgeben. Wer es hingegen als potenzielles Reputationsrisiko ansieht, seine Marke mit einem Land in Verbindung zu bringen, das die Fussball-WM vor allem für «Sportswashing» nutzt, spart das Geld besser.

Dass Schweizer Firmen auf Werbung im WM-Umfeld verzichten, sei bisher nicht bekannt, heisst es beim Verband Schweizer Werbeauftraggeber. Aber: Was nicht ist, kann noch werden. Admeira rechnet jedenfalls mit einem geringeren Buchungsvolumen als bei früheren Fussballweltmeisterschaften. Zum einen wegen des Zeitpunkts im Winter, aber auch wegen der Diskussionen rund um die Menschen- und Grundrechte in Katar, wie Admeira auf Anfrage der MEDIENWOCHE erklärt.

Prominente Werbespots für die Fifa und für Katar sind indes schon fest gebucht. Wie bei früheren Welt- und auch Europameisterschaften muss das Schweizer Fernsehen auch diesmal ein vom Veranstalter produziertes Magazin mit 16 Folgen in ungekürzter Form ausstrahlen. Dazu sei man aufgrund vertraglicher Bedingungen verpflichtet, teilt «SRF Sport» auf Anfrage mit.

The Ugly – Unbegründeter Rückzieher

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Am Ende veröffentlichte Linus Schöpfer das Porträt halt ohne die Zitate von Martin Suter. Zuvor traf der Kulturredaktor der «NZZ am Sonntag» den Erfolgsautor zu einem Gespräch, das sich – so Schöpfer gegenüber der MEDIENWOCHE – wie ein «Small-Talk in der Kronenhallen-Bar» anliess, also ganz freundlich und entspannt und ohne Anzeichen für irgendwelches Unwohlsein.

Die beiden sprachen eine Stunde miteinander. Dabei ging es um den neuen Dokumentarfilm über Suter, sein Werk, aber «auch um die phrasenhafte Sprache in seinem jüngsten Roman», eine wenig gelobte Biografie in Romanform des ehemaligen Fussballers Bastian Schweinsteiger. Suter habe interessante Antworten gegeben, findet Schöpfer. Umso grösser war die Verwunderung, als die Zitate für die Autorisierung vorlegte, die er für sein Porträt verwenden wollte. Martin Suter gab kein einziges Zitat frei. Wie sie seiner Meinung nach hätten lauten sollen, verriet Suter aber nicht. Drei Versionen schickte Schöpfer, am Schluss gar zwei Drittel des geplanten Artikels. Aber keine Chance, die Autorisierung blieb verweigert.

Schöpfer rätselt bis heute darüber, was Suter zu diesem Rückzieher bewogen hat. Der Diogenes-Verlag, über den die Kommunikation mit dem Autor lief, hüllt sich in Schweigen. Man gebe keinen Kommentar dazu ab, teilt der Verlag auf Anfrage mit. In seinen zehn Berufsjahren als Kulturjournalist habe er noch nie erlebt, dass jemand seine Aussagen komplett zurückzieht, sagt Schöpfer im Gespräch mit der MEDIENWOCHE.

Den Kolleginnen und Kollegen, die künftig mit dem Schriftsteller sprechen werden, möchte Schöpfer noch einen Wunsch auf den Weg mitgeben: Dass sie sich bei Martin Suter doch gelegentlich nach seiner phrasenhaften Sprache erkundigen.

Leserbeiträge

Dominique Strebel 27. August 2022, 16:44

Zitate können nur bei wichtigen Gründen (etwa prozessuale Folgen, da persönlichkeitsverletzend) zurück gezogen werden (vgl. Basler Kommentar zu Art. 28 ZGB von Andreas Meili). NZZaS hätte sie also wohl publizieren können.