von Nick Lüthi

Osterlektüre: Tablets, Tamedia & Teufel

Wie erfindet sich die Presse neu? Die Frage stellt das Nachrichtenmagazin L’Hébdo in seiner aktuellen Ausgabe. Chefredaktor Alain Jeannet eröffnet das Mediendossier mit einer Breitseite gegen SRG und Wissenschaft: Die Bakom-Studien zur Medienzukunft bezeichnet er als einen «Skandal, 700 Seiten voller Fehler und Unwahrheiten». Der SRG wirft Jeannet widerrechtliches Handeln vor, das bekämpft werden müsse. Nicht ganz so harsch geht es im weiteren Verlauf des Schwerpunkts weiter.

Tablets, Tamedia und Teufel – drei T ein Thema: Wie weiter mit der Presse in der Schweiz? Der Hébdo liefert natürlich keine endgültigen Antworten, sondern zeigt Spannungsfelder auf und präsentiert zwei Medienmacher der Stunde.

Im Grundsatzartikel, «Comment les journaux s’inventent un futur.», wie sich die Zeitungen eine Zukunft erfinden, erteilen Luc Debraine, Christophe Schenk dem Tablet-Computer eine Absage und fragen ketzerisch: «Et si l’avenir des journaux et des magazines reposait aussi sur le bon vieux papier?» Und wenn die Zukunft von Zeitungen und Magazinen im guten alten Papier zu finden ist? Als Beleg für die Retro-These bringen sie Die Zeit und nrc.next in Stellung.

Die Gegenthese zur iPad-Absage liefert Tamedia-CEO Martin Kall im Gespräch mit Tasha Rumley. Kall, der Zahlenmann, vermag sich vor allem wegen der unbegrenzten Geschäftsmöglichkeiten für das Tablet zu begeistern: «Les modèles sont infinis.»

Und schliesslich tritt noch der Leibhaftige in Erscheinung. «Hersant, un diable sur la muraille?» Hersant, der Teufel an der Wand? Ein in der Deutschschweiz wenig bekanntes Kapitel heimischer Mediengeschichte. Philippe Hersant, der äusserst diskret auftretende Sohn von «Papivore» Robert Hersant. Auch der Junior macht der Titulierung als Zeitungsfresser alle Ehre. Von Nyon bis La Chaux-de-Fonds, von Sion bis Delémont reicht das Schweizer Hersant-Reich bereits. Und der Hunger ist nicht gestillt. Auf der Speisekarte stehen zuoberst zwei der letzten unabhängigen Zeitungen in der Romandie: La Liberté (Freiburg), und Le Quotidien Jurassien (Delsberg).

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Leserbeiträge

Michael 24. April 2011, 03:07

Und wer noch was Technisches studieren möchte:
http://www.treesaver.net
Sehr beeindruckend und endliche der richtige Ansatz, zumindest technologisch (video auf der page schauen).

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